FolkWorld #68 03/2019

CD Rezensionen

Sheevon "ThirtyFive - live"
Errigal Records 2018

http://www.sheevon.com

Es muss nun mehr als 20 Jahre her sein, dass ich Sheevon das letzte Mal gesehen habe, in einem ihrer Duisburger Konzerte. Seitdem hatte ich nichts mehr von dieser Irish Folk Band gehört. Deswegen war es eine erfreuliche Überraschung, nun mit dieser neuen CD zu hören, dass es Sheevon noch immer gibt - und dass sie immer noch überzeugen mit ihrer authentischen irischen Musik.
Zu Ihrem 35. Geburtstag hat die Band ein Live-Album eingespielt, mit zumeist zuvor unveröffentlichten Stücken. Sheevon zeigen, dass die sechs Musiker immer noch zur Creme de la Creme der irischen Folkszene Deutschlands zählen - mit ihrem vollen traditionell-irischen Klang und gutem Zusammenspiel von Geige, Flöte, Keyboards, Bass, Gitarre und Bodhran/cajon. Neben Instrumentalstücken gibt es auch ein paar attraktive Lieder. Während die Stücke zumeist aus irischer Tradition stammen, gibt es doch ein paar Überraschungen - so mündet das erste Instrumentalset ohne Probleme in eine Instrumentalversion des Beatles-Klassikers „Eleanor rigby“, und die zwei Bonusstücke gesungen von Claus de Crau sind doch unerwartet/ Here’s to the next 35 years!
© Michael Moll


Roger Stein "Alles vor dem Aber"
Sturm & Klang, 2018

www.rogerstein.de

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Nach dem ersten Hören dieses Albums dachte ich „naja“, aber nach wiederholten Hörens sagen mir Roger Steins Lieder doch sehr zu. Und da nach Roger Stein Lieder „Alles vor dem Aber“ egal ist, sehen wir, dass das „naja“ nicht zählt.
Dies ist, nach einem Debüt in 2013, das zweite Album des Schweizer Liedermachers. Die (Hochdeutschen) Lieder sind poetisch und haben oft recht viel Tiefe. Einiges sind einfach wunderschöne Balladen - wie „Septemberwinde“ oder „So viele Überalls“, andere haben tiefgründigere Texte wie „Woran man Glück misst“. Nun hat Roger Stein auch eine kabarettistische Seite, die bei wieder anderen Liedern hervorkommt, wie dem alternativem Hochzeitslied (in dem er dem Brautpaar rät, nicht Ja zu sagen). Die Musik ist oft um ein Klavier arrangiert, mit Gitarren und Drums dabei. Einer der guten deutschsprachigen Liedermacher - ohne aber.
© Michael Moll


Wildes Holz "Ungehobelt"
Galileo Music Communication, 2018

www.wildes-holz.de

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Das sind mal sehr unkonventionelle Coverversionen, die sich auf dem Album “Ungehobelt” finden. Neben ein paar Eigenkompositionen. Gleich der erste Song “Rock me Amadeus” zeigt, wie ungehobelt wildes Holz mit Originalen umgeht. Als Hauptinstrument setzt die Band eines der wichtigsten Instrumente der Rockmusik ein - die Blockflöte. Das melodietragende Mittel ist die Blockflöte von Tobias Reisige, der hier wie der Freddie Mercury der Holzblasinstrumente wirkt. Bei aller Eigenwilligkeit der Interpretationen von Falco über Blackmore, Tarkan bis Steven Tyler, tun wildes Holz den Originalen nie Gewalt an. Immer suchen sie ihrer eigene Stimme und finden sie auch. Nebenbei widmen sie sich einer Telemankomposition. Und sie verwandeln die Urmutter des Elektropop, den Song “Popcorn” in einen Folksong für Mandoline und Flöte. Nicht vergessen sollte man die Eigenkompositionen auf diesem einfallsreichen Album, die abwechselnd von allen drei Bandmitgliedern stammen.
© Karsten Rube


Auli & Tautumeitas "Lai Masina Rotajas!"
CPL Music, 2018

www.auli.lv
www.tautumeitas.lv

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Auli gehören zu den soundstärksten Folkkapellen Lettlands. Mit Drums und Bagpipes sorgen sie für druckvolle ethnische Trancemusik. Dieser Band gesellt sich auf dem Album “Lai Masina Rotajsa” das stimmgewaltige Frauenensemble Tautumeitas hinzu. Gemeinsam haben sie das Thema Hochzeitsfeiern für sich entdeckt. Dreizehn Lieder um Eheschließung, Familienfeiern, aber auch um die Gewöhnung eines Paares aneinander, wenn der Honeymoon dem Alltag weicht, sind zu hören. Die Stimmung überträgt sich auf den Hörer sehr gut, selbst wenn er kein Lettisch spricht. In Lettland wurde “Lai Masina Rotajas!” 2018 zum besten Weltmusik-Album des Jahres gewählt.
© Karsten Rube


Banda Osiris "Funfara"
Felmay, 2018

www.bandaosiris.it

Eine wilde Komödie liefern die Künstler der italienischen Blasmusikkapelle Banda Osiris auf ihrer CD “Funfara” ab. Ihr Repertoire klingt, als hätten sie von Mozart bis zum aktuellen Pop alle Stile mit Leichtigkeit eingeatmet und geben nun das Ergebnis dieses künstlerischen Trips wieder. Voller Witz sind ihre musikalischen Anspielungen. Die Titel wirken stellenweise wie Filmmusiken zu einem Balkanroadmovie. “Funfara” ist extrem mit Druckluft gefüllt.
© Karsten Rube


Brot und Sterne "Tales of Herbst"
Traumton Music, 2017

www.peter-rosmanith.at

Auch wenn man glaubt, bei Weltmusik und Jazz schon jegliche musikalische Kombination kennengelernt zu haben, sollte man für Überraschungen offenbleiben. Die Instrumente Drehleier, Hang und Trompete sind wahrlich so unkonventionell, dass man sich im Vorfeld vergeblich den Kopf zerbricht, was einen denn da musikalisch erwartet. Das Album “Tales of Herbst” entzieht sich jeder Kategorisierung. Die Hang, die gern zu meditativen Zwecken geklopft wird, kann auch hier ihre beruhigende Wirkung entfalten. Die Trompete wirkt gesetzt, schaukelt leicht auf den Wogen des Jazz, ohne sich festzulegen und die Drehleier will partout nicht folkloristisch klingen. Etwas Elektronik legt sich unter die drei Hauptinstrumente. Frei lassen die drei Musiker ihre Klangträume aufsteigen, legen Grundsteine für die verschiedensten Geschichten, die sich zu dieser Musik beim Hörer aufbauen. Die Musik dieses schönen Albums wirkt wie ein mentaler Fluchtversuch aus grauer Umgebung und Tristesse.
© Karsten Rube


The Mystery of the Bulgarian Voices featuring Lisa Gerrard "Boocheemish"
Prophecy Productions, 2018

www.themysteryofthebulgarianvoices.com

Article: Music of Bulgaria

Die Stimmen bulgarischer Frauen sind ein solches Mysterium, dass man sich bei den verschiedenen Chören dieser Stilistik manchmal nicht recht zu orientieren weiß. Während sich der Chor “The Bulgarian Voices - Angelite” vor Kurzem mit seinem Jubiläumswerk zum 25-jährige Bestehen selbst feierte, haben The Mystery of the Bulgarian Voces ihre Entstehung bis auf das Jahr 1957 zurückdatiert. Lange Zeit, bevor der Begriff Weltmusik überhaupt geprägt wurde, standen sie bereits als bulgarischer Exportschlager für regionale Folklore auf Bühnen und vor Kameras. Zwischenzeitlich pausierte der Chor 20 Jahre und meldete sich erst 2018 eindrucksvoll wieder auf der Szene zurück, verjüngt in Personal und künstlerischem Anspruch. Traditioneller bulgarischer Gesang, Stimmtechnik und der Griff in die lyrische Schatzkiste slawischer Folklore bleibt fester Bestandteil des Ensembles. Neu ist ihre Zusammenarbeit mit Künstlern der moderneren Weltmusik. So erfrischt die Australierin Lisa Gerrard, bekannt für ihre Band Dead Can Dance, aber auch für zahlreiche Filmmusikkompositionen, die Aufnahmen mit Pop- und Elektronikeinflüssen. Instrumente aus Balkan und Vorderem Orient steuern weitere weltmusikalische Akzente bei. Die Mystik der Songs bleibt dem Gesang jedoch erhalten. Ein Album, das zu allererst Dank der Kraft der bulgarischen Stimmen fasziniert.
© Karsten Rube


Canzoniere Grecanico Salentino "Canzoniere"
Ponderosa Music Records, 2017

www.canzonieregrecanicosalentino.net

Artist Video

Im äußersten Süden Italiens, da wo der Stiefel seinen Hacken hat, befindet sich die Halbinsel Salent. Besonders bekannt ist die Gegend für ihre ausgelassenen Tarantellatänze. Die Canzoniere Grecanico Salentino aus der Stadt Lecce gehören seit über vierzig Jahren zu den bekanntesten Vertretern der Folklore Salents. Wie sie auf dem aktuellen Album “Canzoniere” beweisen, muss die Tarantella keine stilreine folkloristische Angelegenheit sein. Dieses Album ist eine Zusammenarbeit zwischen den Canzonieri und verschiedenen amerikanischen und europäischen Songschreibern. So trafen sie mit Autoren zusammen, die für Bruno Mars, Steely Dan, Sting, die Backstreet Boys oder auch George Benson arbeiteten. Herausgekommen ist ein spannendes Album, das sich an den Grenzen von Folklore und Pop bewegt, ohne je in eine Richtung zu kippen.
© Karsten Rube


Daniel Kahn and the Painted Bird "The Butcher’s Share"
Oriente Musik, 2017

www.paintedbird.net

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Daniel Kahn macht Klezmer, wie kaum ein anderer Musiker der aktuellen Klezmerszene. Kraftvolle Adaptionen und Eigenkompositionen finden sich auf dem aktuellen Album “The Butcher’s Share”. Manche Songs wirken, wie aus einem Zirkus der Kuriositäten, einige erinnern an Tom Waits, andere an Brecht. Elend, Klassenkampf und der Wunsch nach Frieden durchziehen seine Lieder, wie ein roter Faden. Manchmal sehnsuchtsvoll, manchmal wütend. Und immer mit einem heftig schlagenden Herzen.
© Karsten Rube


The Disorientalists "Who was Essad Bey?"
Oriente Musik, 2016

oriente.de/...

Durch eine etwas bizarre Nummernrevue führen uns die Musiker Yuriy Gurzhy, Daniel Kahn und Marina Frenk unter dem Titel “Who was Essad Bey”. Als Bühnenprojekt The Disorientalists haben sich die drei eigens dazu verbunden, den Lebensspuren des Schriftstellers Essad Bey zu folgen. Dieser umtriebige Autor, der mit dem Namen Lev Nussimbaum geboren wurde, mag heute kaum bekannt sein, aber im Berlin der zwanziger Jahre war er ein bunter Hund. Aus Baku floh er vor der Oktoberrevolution über Tiflis nach Istanbul, dann über Rom nach Berlin. Er konvertierte vom jüdischen Glauben zum Islam und schrieb ein paar bemerkenswerte Bücher, darunter eine kritische Stalin Biografie und eine Biografie des Propheten Mohammed, die bis heute zu den wichtigen Standardwerken über den Islam zählt. Sein wanderungsreiches Leben, seine Kommunismus-kritischen Schriften, sein Leben in Berlin - all das erzählen uns die Disorientalists auf dem bunten Album “Who was Essad Bey?”. Musikalisch bewegen sie sich stilsicher zwischen Klezmer, Oriental, Russenfolklore und Kabarett. Äußerst hörenswert.
© Karsten Rube


Deva Mahal "Run Deep"
Motéma Music, 2018

www.devamahal.com

Artist Video

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Als Kind einer Musikerlegende ist es nicht leicht, seinen eigenen Weg zu finden. Deva Mahal, Tochter des berühmten Bluesmusikers Taj Mahal, versucht gar nicht erst, den Einfluss ihres Vaters kleinzureden. Im Gegenteil, alles was sie heute selbst ausdrücken kann, ist die direkte Folge des Einflusses ihrer Familie. Obwohl Deva auf ihrem Debüt-Album “Run Deep” keinen Blues, sondern kräftigen Soul aufgenommen hat, steckt die Intensität ihrer Musik in keiner Weise hinter der ihres Vaters zurück. Ausdrucksstark, impulsiv, selbstbewusst erlebt man die junge Frau. Doch hinter all diesen energiegeladenen Songs finden sich die Erfahrungen, die sie als Frau und als Farbige in ihrem Leben machen musste. Rassismus, Intoleranz, Enttäuschungen sind Themen der Songs, aber auch Aufbegehren und Mut als Folge all der Anfeindungen, die sie erlebte. Das Album “Run Deep” ist, obwohl erst ein Debüt, bereits jetzt ein Meilenstein des Soul.

Siehe Hörbeispiele @ NoiseTrade!

© Karsten Rube

Diane Durrett & Soul Suga "Live"
Blooming Tunes Music, 2018

www.dianedurrett.com

“Ein paar seelenvolle Geschichten und etwas Süßes”, das verspricht die Soulsängerin Diane Durrett aus Atlanta ihrem Publikum während des Liveauftritts im Städtchen Decatur/Georgia, der auf dem Album »Live« verewigt wurde. Ihre Stimme ist mal zuckersüß, mal deftig und rau. Rauchiger Blues liegt ihr genauso gut, wie mitreißender Soul. Perfekt abgestimmt sind die Bläser, die immer wieder ihren ausdrucksstarken Gesang unterstützen. Die meisten Songs sind aus eigener Feder, doch auch als Interpretin bekannter Standards kann sie auf dem Album punkten. Sehr dynamisch ist ihr Gershwins “Summertime” gelungen. Ein großartiges Konzert von Diane Durrett, das dieses Live-Album wiedergibt.
© Karsten Rube


Duo Hand in Hand "Lust auf Genuss"
HEYBlau! Records, 2016

www.duohandinhand.de

Die beiden Musikerinnen Annett Lipske und Beate Wein gestalten auf ihrem Album “Lust auf Genuss” musikalisch ihren Alltag, ihre Gedanken, ihre Träume. Manchmal beschwingt mit Bossa und Poprhythmen, manchmal leise mit einer gehörigen Portion Sehnsucht. Die Texte sind poetische Schönheiten (”Sommernachtsgewitter”, “Bleiben”), oder etwas holprig, wie auf einem löchrigen Straßenpflaster (”Autopilot”) - was gut zum Inhalt des Liedes passt. Genuss heißt bei den beiden, manchmal auch aufs Essen zu achten. Der Titelsong “Lust auf Genuss” stolpert allerdings agitatorisch durch den Biomarkt. Wenn man schon der handgezogenen Möhre ein Ständchen bringt, könnte man das Lied statt mit exotischer Bossa ja auch konsequenterweise regional vertonen. Das Lied “Zimtschnecke” ist wiederum ein süßes, witziges A-Capella-Stück, das einen sofort zum Bäcker aufbrechen lässt. Ein Album, das nicht ganz rund läuft, aber insgesamt recht bunt ist.
© Karsten Rube


Eivør "At the Heart of a Selkie"
Tutl Records, 2016

www.eivor.com

Eivør Pálsdóttir stammt von den Faröer-Inseln. Als Sängerin bei zahlreichen nordischen Ensembles und als Solokünstlerin hat sie seit Jahren immer wieder Folkpreise eingesammelt. In Deutschland trat sie bereits mit Yggdrasil in Rudolstadt auf, war beim Bardentreffen in Nürnberg und beim Festival Nordischer Klang in Greifswald. Ihr 2016 entstandenes Album “At the Heart of a Selkie”, das sie zusammen mit der Dänischen Radio Big Band und dem Dänischen National Vocal Ensemble aufgenommen hat, besitzt einen experimentellen Klangcharakter. Industrieakustik trifft dabei auf Elfengesang. Ihre glockenhelle Stimme steht im Vordergrund. Das Vokalensemble liegt wie ein Klangschatten unter ihrem Gesang und die Bigband steht ihr bei den lauteren Momenten mit durchkomponierter Geräuschkulisse zur Seite. Nicht gerade leichte Kost, was die Sängerin mit diesem Album anbietet.
© Karsten Rube


Embryo "It do"
Trikont, 2016

www.embryo.de

2019 wird die Band Embryo 50. Was 1969 als kleines experimentierfreudiges musikalisches Etwas begann, dem man kaum eine stilistische Schublade anbieten konnte, hat sich über die Jahre als ein beständiges Ensemble erwiesen. Krautrock mit Jazzambitionen hieß es zunächst. Ihr Hang zur Musik aus für ostdeutsche Verhältnisse äußerst exotischen Gegenden der Welt, machte Embryo zu einer Weltmusikband, bevor irgendwer diesen Begriff erstmals prägte. Das Album “It do” aus dem Jahr 2016 versammelte außer dem Stammensemble unter Christian Burchard eine Vielzahl Musiker aus aller Welt. Die Songs spiegeln die Vielfalt der Welt wieder. Bunt die Sammlung von Instrumenten, wechselhaft die Stimmungen, die die Songs wiedergeben. Verspielte Freude am klanglichen Experiment ist den Musikern über ein halbes Jahrhundert erhalten geblieben, wie man an diesem Album wunderbar nachvollziehen kann. Für Bandgründer Christian Burchard war dieses Album das letzte musikalische Ausrufezeichen seiner langen Karriere. Anfang 2018 verstarb der Künstler und Weltenbummler infolge eines Schlaganfalls. Sein Vermächtnis bleibt in der Band bestehen, die seitdem von seiner Tochter Marja weitergeführt wird.
© Karsten Rube


Ensemble FisFüz "Bonsai - 20 Years of Oriental Jazz"
Pianissimo, 2016

www.fisfuez.de

Das Freiberger Trio FisFüz verbindet bereits seit über zwanzig Jahren Ud, Klarinette und Perkussion zu einem geschlossenen Klangbild. Jazz trifft dabei auf Orientalische Musik. Wo sich der Orient und der Okzident kulturell verbrüdern, entsteht eine neue Form von grenzenloser Heimatmusik. Nichts Weniger als dies bringt das Ensemble FisFüz auf ihrem Jubiläumsalbum “Bonsai” zu Gehör.
© Karsten Rube


Federspiel "Wolperting"
Col Legno Music, 2018

www.feder-spiel.net

Artist Video

Fremder, der du die Alpenländer bereist, bedenke: Wenn dir jemand einen Wolpertinger erklärt, will er dich an der Nase herumführen. Die Blaskapelle Federspiel aus Österreich versucht mit dem Album “Wolperting”, den musikalischen Wolpertinger unters Volk zu bringen. Auch hier gilt: Erwarte nichts und sei umso verblüffter. Denn die Blasmusik Federspiels widerspricht jeder Erwartung der herkömmlichen Blasmusik. Welt atmen die Musiker durch ihre Instrumente, Zauberei und Fabelwelten werden in ihren Melodien wach. Tanzende Elfen und Wassertrolle in norwegischen Fjorden, aber auch mexikanische Götter sind Themen in den Kompositionen. Ausschließlich Blech- und Holzblasinstrumente bedienen Federspiel, diese und ihre Stimmen, mit denen sie auch mal alpenländisch Jodeln. Die Blasmusik des Federspiels ist weit davon entfernt, klischeebehaftete Alpenmusik zu sein, besitzt aber genug Heimatrespekt, um sich trotz des Blickes in die Welt als Alpenmusik erkennen zu geben. Mit etwas Zeit für das Einhören in diese Platte, erweist sich “Wolperting” als ein fabelhafter Hörschatz.
© Karsten Rube


George Leitenberger & Roddy Mac Kinnon "Raw Love"
Silberblick Music, 2018

www.georgeleitenberger.com

English CD Review

Schön, wenn man als Musiker auf die zahllosen Möglichkeiten der modernen Techniken zurückgreifen kann. Noch schöner, wenn man das gar nicht muss. Der Gitarrist George Leitenberger aus Deutschland und der Schotte Roddy McKinnon konzentrieren sich auf ihrem ersten gemeinsamen Album “Raw Love” aufs Wesentliche. Sie spielen einfach. Die 14 Tracks, der simplen, wie brillanten Produktion haben sie in fünf Tagen in einer Art Live-Gig-Session im Studio eingespielt. Ehrlich und ohne Tricks. Leitenberger setzt hier seine Erfahrung als Songwriter und Liebhaber des Deltablues ein. McKinnon ist präsent als langjähriger Rockmusiker und punkbegeisterter Gitarrist. Beide zusammen erzählen Persönliches, Melancholisches und Romantisches, begleitet vom Stahl ihrer Gitarrensaiten. Als Bonustrack gibt es eine Hommage an den verstorbenen Berliner Schauspieler Andreas Schmidt.
© Karsten Rube


Geza Frank & Jean Damei "Event Horizon"
Type 2 Records, 2017

www.eventhorizonproject.com

Wenn der Mensch dereinst neue Horizonte entdeckt und in den Weltraum auszieht, um ferne Planeten zu besiedeln, dann nimmt er seine Heimatkultur mit. Warum sollte der Mensch in der Schwerelosigkeit nicht einen irischen Steppentanz versuchen. Geza Frank und Jean Damei brechen musikalisch schon mal auf zu diesen Horizonten, verbinden elektronische Musik und keltische Tradition. Uilleann Pipe, Flöte und Synthesizer. Zugegeben - wirklich neu ist diese Mischung nicht, aber modern und stimmig. Die Keltik-Tradition verbindet sich bestens mit der zurückhaltend eingesetzten Elektronik und lassen die Musik, bei all dem fortschrittlichen in die Galaxis Schauen, immer noch menschlich und terrestrisch klingen und nicht nach science-fictionhaften Androidentanz.
© Karsten Rube


Gjermund Larsen Trio "Salmeklang"
Galileo Music, 2017

www.gjermundlarsen.com

Zum zehnjährigen Bestehen des Gjermund Larson Trios hat der norwegische Fiddlevirtuose Gjermund Larson die schwedische Band Nordic eingeladen und mit den Musikern das Album “Salmeklang” aufgenommen. Die Titel haben zum Teil sehr familiären Bezug. So finden sich Kompositionen für die Kinder und ein Hochzeitswalzer für die Schwester - “falls die mal einen benötigt” - wie er selbst anführt. Elf Lieder hat Larson für diese überaus kurzweilige Sammlung ausgesucht.
© Karsten Rube



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