FolkWorld #53: T:-)M's Nachtwache - Buchrezensionen
FolkWorld #53 03/2014
© Walkin' T:-)M

English Book Reviews

T:-)M's Nachtwache

Vor zwei Jahren erreichte die deutsche Musik- und Kabarettszene eine schlechte Nachricht: die Biermösl Blosn gehen nach 35 Jahren getrennte Wege!

Paller, Musikbausteine Seit mehr als 20 Jahren unterrichtet Michaela Paller, hauptberuflich Musiklektorin, Klavier, Blockflöte sowie musikalische und instrumentale Früherziehung. Das Musikbau- steine Set für Elementares Musizieren ist als erstes Werkzeug für Kinder im Vor/Grundschulalter (3-6 Jahre) gedacht, die noch kein Abstraktionsvermögen besitzen. Die auf eine Platte steckbaren Bausteine übertragen musikalische Begriffe in eine Kindern verständliche Bildsprache. Takte sind von Pferden gezogene Kutschen, Notenwerte sind Passagiere und Pausen sind Gepäckstücke. Parallel dazu wird die abstrakte Musiksprache eingeführt. Es bieten sich verschiedene Spielmöglichkeiten an: Kutschen befüllen (Notenwerte, Pausenwerte, Taktarten), Kutschenreihen (mehrtaktige Notenzeilen). Musikalisch kann man dies durch Body- oder Vocal-Percussion umsetzen. Zum guten Schluss werden bereits erste Schritte zur Abstraktion begangen, Anfänge bekannter Kinderreime und Liedanfänge gesetzt und auch schon die Tonhöhe einbezogen. Das Ergebnis ist ein variables und fassbares Lehrwerk. Neben dem Set Rhythmus, Takt & Notenwerte liegen die Musikbausteine Schulset, Mini-Schulset und Kreativ- und Percussion-Set vor.
Michaela Paller, Musikbausteine Set für Elementares Musizieren - Rhythmus, Takt & Notenwerte. Holzschuh VHR 3641, 2013, ISBN 978-386434-014-7, €34,80.


Canzoni napoletane Das süditalienische Neapel hat eine unverwechselbare Liedkultur hervorgebracht, in der sich die traditionelle Musik Kampaniens mit der italienischen Kunstmusik aufs Engste und Beste verbunden hat. Der Gitarrist Gaetano Troccoli, der in Pavia (Norditalien!) Gitarre lehrt und mit dem Sextett Concordia Chordis drei Platten eingespielt hat, hat eine Reihe populärer neapolitanischer Melodien vom 18. bis 20. Jhd. für die Gitarre arrangiert. Teil 1 enthält elf Werke für die Sologitarre, komplett mit Noten, Akkorden und Texten - von einem anonymen Kanon um 1700 bis zu namhaften Komponisten von Luigi Denza (1846-1922) bis Nino Oliviero (1918-1980). Texter sind z.B. Giulio Genoino (1771-1856) und Edoardo Nicolardi (1878-1954). Teil 2 enthält zwei Kompositionen von Gaetano selbst, Teil 3 neun Stücke arrangiert für Gitarre plus Flöte bzw. Geige. Canzoni napoletane ist eine sowohl abwechslungsreiche als auch exemplarische Sammlung neapolitanischer Melodien, die sich mit mehr oder minder Übung mühelos spielen lassen. Einzig eine Übersetzung der italienischen Liedtexte wäre zu wünschen gewesen, sind doch auch die Worte nicht ganz unwesentlich für das Verständnis der Volkskunst Neapels.
Gaetano Troccoli, Canzoni napoletane - Italienische Melodien im Arrangement für Gitarre Solo und Gitarre mit Flöte, Violine oder Mandoline. Schell Music SM 11069, 2013, ISBN 978-3-86411-069-6, 90 S, €24,95.


Bursch, Johnny Cash für Gitarre Der Duisburger Peter Bursch (Bröselmaschine) hat sich den Ruf als Gitarrenlehrer der Nation erarbeitet. Seine Lehrbücher haben vielen angehenden Gitarristen einen einfachen Einstieg in das Instrument ermöglicht. Dieses hier nun enthält die wichtigsten Songs der amerikanischen Country-Ikone Johnny Cash [25] [27] [37]: 22 Titel von June Carters "Ring of Fire", Cashs größtem Erfolg, über Klassiker wie den "Folsom Prison Blues" und "Ghost Riders in the Sky" und Songs der American Recordings wie Tom Pettys "I Won't Back Down", Neil Diamonds "Solitary Man", U2s "One" und Nick Caves "The Mercy Seat" [45] [48] bis schlussendlich Bob Dylans "Don't Think Twice" - mit Cashs typischer Wechselbasstechnik sowie Bass- Übergängen und abgestoppten Bass-Anschlägen für die E-Gitarre (Luther Perkins-Stil). Die Stücke lassen sich mühelos erlernen. Anschlag- und Zupftechniken aller Songs (Texte mit Akkorden und Griffbildern) werden für jeden verständich erklärt, einschließlich spezieller Melodieläufe für E-Gitarre (Tabulaturen). Die beiliegende CD enthält alle Titel mit allen Spieltechniken; auf der DVD wird anschaulich gezeigt, wie Johnny Cash gespielt hat. Zusätzlich enthält das Büchlein jede Menge Infos und Stories über den Man in Black und seine Musik.
Peter Bursch, Johnny Cash für Gitarre. Bosworth BOE7403, 2014, ISBN 978-3-86543-277-3, 101 S, €29,95 (inkl. CD + DVD).


Martini, Nur Für Anfänger - Blockflöte 2 Christiane Martini unterrichtet Blockflöte an den Musikschulen Dreieich und Bad Nauheim (Hessen). Mit dem Concierto Barocco Frankfurt hat sie mehrere CDs aufgenommen, dazu zahlreiche Blockflöten- schulen verfasst. Nur für Anfänger - Blockflöte 2 ist eine visuell konzipierte Anleitung und vertieft das Erlernte im 1. Teil anhand konkreter Lieder: anhand einer Gavotte des englischen Komponisten James Hook (18. Jhd.) erlernt man den Zweivierteltakt und Sechzehntel- noten, anhand "Tom Dooley" und Stephen Fosters "Oh, Susanna" [53] Synkopen. Die praktischen Tipps sparen moderne Spieltechniken nicht aus. Die Play-Along CD bietet alle Audio-Beispiele sowie vollständige Begleit-Tracks zum Mitspielen. Am Ende sollte man die 12 Töne der Blockflöte, sowie verschiedene Rhythmen und Takte mit guter, lockerer Haltung und entspannter Atmung spielen, Noten lesen und mit dem Blockflötenkopf experimentieren können.
Christiane Martini, Nur Für Anfänger - Blockflöte 2. Bosworth BOE7671, 2014, ISBN 978-3-86543-593-4, 48 S, €14,95 (inkl. CD).


P.S.: Siehe dazu auch die "Flötentöne" von Barbara Ertl [52]!



Hans Well, 35 Jahre Biermösl Blosn. Kunstmann, 2013, ISBN 978-3-88897-823-4, 335 S, €19,95 (eBook €15,99).

www.hans-well.de

Die Geschichte, die hier erzählt werden soll, beginnt jedoch schon vor mehr als 35 Jahren in dem kleinen bayrischen Ort Günzlhofen zwischen München und Augsburg. Hans Well wächst mit 14 Geschwistern in einer wirklich Groß zu nennenden Familie auf. Die Kinder begleiten vom Vater verfasste Weihnachtsspiele:

Für meinen Vater war das Wichtigste die Musik. Eine Beförderung zum Schulrat lehnte er ab, weil er sonst nicht mehr mit den Kindern hätte singen können. Allmählich wurde es aber den Bauern zu dumm, dass der Lehrer ihnen die Kinder immer mit dem Singen von der Arbeit abhielt, und mein Vater musste mit den Proben und Auftritten des Schulchors langsamer tun. Da besann er sich darauf, dass er fünfzehn Kinder hatte. So begann also die Familienmusik Well. Zuerst entwickelte sich aus einer Art Schrammelmusik heraus eine Tanzlmusik. Ich lernte Tuba und Bariton.

Hans Well lässt ein dörflich-konservativ geprägtes Weltbild erst zurück, als er die Kleinkunst- und Brettlszene im München der Siebzigerjahre kennenlernt.

Mir zeigten Fred Fesl und die Mehlprimeln damals durch ihre Art, Lieder und Couplets zu singen, dass Volksmusik mehr sein kann als nur Stubnmusi oder perfekter Dreiklang. Ich hatte Volkslieder immer als Langweilig erlebt, nichts durfte verändert oder abgewandelt werden. Nun führte mir erstmals jemand vor, dass sie auch lässig dargeboten und komisch sein konnten, verquer und grotesk, manchmal auch unanständig und aufmüpfig.

Volksmusik hatte ja damals für die meisten jüngeren Leute, vor allem in der Stadt, etwas Reaktionäres, Hinterwäldlerisches, sinniert Hans Well rückblickend, kurz: Sie war CSU-Musik. 1976 gründet er zusammen mit seinen beiden Brüdern Michael und Christoph (Stofferl) die Biermösl Blosn. Er beginnt eigene Texte zu schreiben, anfangs meist traditionelle Lieder mit verändertem Text.

   Gott mit dir, du Land der BayWa,
   deutscher Dünger aus Phosphat.
   Über deinen weiten Fluren
   liegt Chemie von fruah bis spaat.

Die Biermösl Blosn werden über Nacht berühmt und berüchtigt, als der Bayrische Rundfunk unmittelbar vor der Neujahrsansprache 1979 von Ministerpräsident Franz Josef Strauß das "BayWa-Lied" (gesungen auf die Melodie der Bayrischen Nationalhymne) sendet. Jede deutsche Zeitung berichtete über die darauffolgende landesweite Erregung.

Wir hatten mit einem Schlag den Ruf, gewitzte Rebellen gegen die Obrigkeit zu sein. Nachteil war, dass wir nun im Staatsfernsehen überhaupt nicht mehr vorkamen - wir bekamen gut fünfzehn Jahre Fernseh-Freiheitsentzug. Das schadete uns aber nicht im Geringsten. Die Leute interpretierten unser Auftrittsverbot durchaus als Qualitätsmerkmal.

Das Kinderlied "Wer will unter die Soldaten" mit den Schlusszeilen

   Büblein, wirst du ein Rekrut - merk dir dieses Liedlein gut
   Büblein, schwörst du deinen Eid - schlüpfst du in ein Mörderkleid

führt zu einem weiteren Auftrittsverbot, diesmal beim Goetheinstitut. Sie lernen allerdings den Kabarettisten Dieter Hildebrandt kennen, der ihnen Asyl in seiner Sendung "Scheibenwischer" gewährt, und Gerhard Polt wird ihnen zum Großen Bruder.



Artist Video Biermösl Blosn @ FolkWorld:
FW#11, #47

www.biermoesl-blosn.de

Es war eine unglaublich schöne, oft berauschende Zeit attestiert Hans Well die 35 Jahre mit seinen Brüdern. Aber:

Die absolute CSU-Alleinherrschaft war mit der Wahl 2008 nach sechsundvierzig Jahren gebrochen. Bayern hatte sich verändert, unser Programm nicht!

Ich wollte schon seit Längerem ein neues Programm entwickeln. Ein zu langes Verharren bei alten Liedern machte die Auftritte langweilig. Meine Brüder hatten da kein Problem, warum sollten wir nicht mit dem weitermachen, das nach wie vor erfolgreich war.

Das Klima zwischen den Geschwistern wird rauer, immer öfter kommt es zu Auseinandersetzungen. Eine Trennung ist schließlich unvermeidlich. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende; Hans Well atmet auf, denn man kann trotzdem

ein positives Resümee ziehen: Wir drei haben die Volksmusik aus der Dumpfheit und dem musealen Abseits herausgeholt in die Lebenswirklichkeit und mitgeholfen, das Bayernbild von politischen und volkstümlichen Klischees zu befreien.

Michael und Stofferl Well haben unter dem Titel "Biermösl Blosn: Tokio – Kapstadt – Hausen" ein buntes Roadbook vorgelegt, Hans Well liefert die intellektuelle Dokumentation und Auseinandersetzung über 35 Jahre Biermösl Blosn.

Frisch, fromm und frei erzählt er (zusammen mit SZ-Redakteur Franz Kotteder), meist humorvoll und immer ehrlich. Unangenehmes wird nicht ausgespart, weder die Nazivergangenheit von Vater Well (Das Ideal meines Vaters war Sparta und nicht Athen) und den blanken Darwinismus in der bairischen Heile-Welt-Familie (Tracht hatte für mich mehr mit Prügel zu tun als mit Kleidung), noch die alle Seiten zerfleischende Trennungsgeschichte des Trios.

Jedes Kapitel wird mit einem Lied eingeleitet, und Hans Well hält bei seinen Abenteuern im bayrischen Amigostaat als auch auf Tour von der DDR bis nach Südafrika mit der Meinung nicht hinter dem Berg. Z.B. volkstümliche Musik:

Wer wie ich mit volksmusikalischer Vielfalt aufgewachsen ist, den irritiert die Tatsache, dass Volksmusik und volkstümlicher Kitsch im öffentlich-rechtlichen TV-Sprachgebrauch inzwischen identisch sind. Dass volkstümliche Musik in ist, kann man nicht unbedingt sagen, dass sie drin sind, schon. Wenn ich diese Jodelhorrormonstershows im Fernsehen sehe, beschleicht mich immer wieder der Verdacht, dass hier keine Menschen, sondern Trachtenandroiden aufmarschieren, die ohne Kamera sofort in sich zusammenfallen. Dieses volkstümliche Fastfood hat mit Volksmusik so viel zu tun wie ein Big Mac mit einem Semmelknödel.

Diese volkstümliche Einfalt bei Musik und Texten verstopft nach wie vor jedes Wochenende die öffentlich-rechtlichen Kanäle. Wer dagegen volksmusikalische Vielfalt oder Gruppen der "Neuen Volksmusik" aus Bayern, Österreich und der restlichen realen Musikwelt erleben will, der wird im Fernsehen nicht und im Radio kaum mehr bedient.

Ganz aus der Welt sind die Biermösl Blosn zum Glück ja nicht: Christoph und Michael treten mit Gerhard Polt als "Wellbrüder aus’m Biermoos" auf (z.B. bei 50 Jahre Liederfest auf der Burg Waldeck), Hans Well hat sich mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas als "Wellbappn" zusammengetan.

Und so ertönt auch weiterhin der Gesang:

   Mir Bayern samma super, mir samma superguat.
   Mir san die Champions von da Championsleague,
      da Sieg liegt uns im Bluat.
   Mir ham die blausten Berge und de größten Stier,
   de allerweißesten Weißwürst und das allerbeste Bier.
   Mir ham die größten Schneekanonen und des schönste Abendrot,
   die modernsten Fuaßboistadien und des liberalste Rauchverbot!
   Wia samma? Mir samma! Wie samma? Stier samma!
   Wia samma? Hund samma! Juhu!


»Bis in ein, zwei Jahren baust du super Gitarren, da sind die von Martin ein Scheiß dagegen. Pass auf, dann steht der Wader vor deiner Tür, und John Pearse, und Cat Stevens. Dann kommt Stephen Grossman aus Amerika zu dir, extra aus Amerika. Und alle wollen deine Gitarren. Und du hast die tollste Werkstatt der Welt. Und dann drehst du der Sabine eine lange Nase. Das hat sie dann davon. Und jemand anderes kocht dem Wader Tee, wenn er die Gitarre holt.«



Helmut Gotschy, Der geschenkte Traum. Gerhard Hess Verlag, 2013, ISBN 978-3- 87336-417-2, 376 S, 17,95 €.

Sagt die innere Stimme von Wilhelm Meerbusch. Der ist in den späten 1970ern ohne Job, ohne Freundin, ohne Auto, und beginnt nach einer Bauanleitung von John Pearse autodidaktisch Dulcimer zu bauen. Doch dann kommen ihm französische Straßenmusiker in die Quere:

»Plötzlich stieß der Dudelsack ein wimmerndes Gebrumm aus, fing sich, und ein klarer, tiefer Ton stand wie eine Wolke über ihm. Moment, es waren zwei Töne. Hummeln im Tiefflug. Das Akkordeon atmete im Quintabstand, und dann ..., wieso war da noch ein Brummen? Und wieder dieses ssipp-ssipp, ssipp-ssipp. Von einem Augenblick zum anderen war Wilhelm nicht mehr in der Lage zu denken. Er fühlte nur noch. Seine Welt rutschte einem Abgrund entgegen. All seine Logik wurde herausgesogen. Als ob er leer werden müsste. Leer, um etwas in sich aufzunehmen, etwas, das allen verfügbaren Rau, beanspruchen, von ihm Besitz ergreifen, und in die hinterste Faser vordringen wollte. Etwas, das sein Leben von Grund auf verändern sollte. Dieses Etwas wurde von einem breiten Ledergurt gehalten, war bunt bemalt und endete mit einem geschnitzten Frauenkopf, von dessen Hals bunte Bänder hingen. Vorne drehte das Mädchen eine Kurbel, ihr linke Hand ruhte auf einem schmalen Aufbau, die Finger drückten irgendwelche Tasten. Zu beiden Seiten verliefen Saiten, einige vibrierten. Sie schwangen unregelmäßig. mal mehr, mal weniger, jedoch immer im Rhythmus dieses merkwürdigen ssipp-ssipp-ssipp-sipp.«

Die Drehleier, das ultimative Folterinstrument des Mittelalters in Hieronymus Boschs "Garten der Lüste", ist dein Ding. Das wirst du bauen. Das, und nichts anderes.

Wilhelms nervöse Disposition bildet sich ab in der sprunghaften Handlung von Helmut Gotschys Roman Der geschenkte Traum. Der rote Faden ist Wilhelms Obsession, die besten Drehleiern der Welt zu bauen: Er wollte ganz nach oben, wollte die Großen an seinem Stand und in seinem Laden haben.

Man darf in Wilhelm Meerbusch durchaus Gotschys Alter Ego und die eigene Biographie sehen. Als Kind erkrankte er an Kinderlähmung, wurde zunächst Gitarrenbauer, dann autodidaktisch einer der führenden Drehleierbauer. Etwa 1.200 seiner Instrumente werden heute weltweit gespielt, aus einer Baudokumentation wurde das Standardwerk zum Bau einer Drehleier. Gesundheitliche Probleme haben ihn mittlerweile gezwungen, seinen Beruf aufzugeben, seitdem widmet er sich dem Schreiben.

Zu Beginn der Geschichte ist die Drehleier noch ein reines Folkloreinstrument: Tänzchen, Liedchen, Tralala. Doch: Die Drehleier kann mehr. Warts ab, bis du den Meister gehört hast. Es wird Zeit, dass die Leier aus ihren Dornröschenschlaf erweckt wird. Der Meister ist der improvisierende Musiker Valentin Clastrier:

»Aus der Dunkelheit trat ein Mann an den Bühnenrand und verharrte im Lichtkegel, Mitte dreißig, schwarze Pluderhosen, wites, helles Hemd. Er blickte zu Boden. Vor dem Bauch hielt er eine bunt bemalte Lautendrehleier geschnallt. Er rückte das Mikrofon zurecht: >Bon soir< - lange Pause - >Étude Numero zero-zero-zero-un.< Was folgte, sprengte Wilhelms Vorstellung von bisher gekanntem Drehleierspiel. Mit akrobatischer Rasanz flog [Valentin] Clastrier über die Tasten. Chromatische Tonfolgen drehten Pirouetten. Der Begriff Drehleiermusik bekam für Wilhelm eine völlig neue Bedeutung. Nichts war wie zuvor. Er war nur einen einzigen kurzen Herzschlag vom Himmelreich entfernt. Dabei drängte sich ein einziger mächtiger Wunsch in den Vordergrund, der ihn nie wieder verlassen sollte. Wilhelm wollte diesem Ausnahmekünstler eine Drehleier bauen.«

Um Wilhelms Lebensweg von Freiburg über Berlin-Kreuzberg bis in eine alte Wassermühle in Süddeutschland zu folgen, sollte beim Leser ein größeres Interesse an den Themen Folkmusik und Instrumentenbau (Glossar im Anhang) vorhanden sein.

Um nur ein paar Stichworte zu nennen, die in Gotschys Schlüsselroman als Referenzpunkte auftauchen: Drehleierfestival Saint Chartier[49] und Tanz- und Folkfest Rudolstadt,[34] Folk Michel[34] und Freiburger Volksliedarchiv,[53] Fraunhofer Saitenmusik,[44] Jams[3] und Subway to Sally,[50] Alan Stivell[53] und Tri Yann,[4] Blowzabella[52] und Blackmore's Night,[50] O'Donoghue's in Dublin[9] und Leo Brennan's Singing Pub in Donegal,[20] ...

Helmut Gotschy und Wilhelm Meerbusch haben gegen alle Widrigkeiten den Traum vom Instrumentenbauer gelebt; Gotschy selbst hat nun als Autor ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Helmut Gotschy, Der geschenkte Traum. Gerhard Hess Verlag, 2013, ISBN 978-3-87336-417-2, 376 S, 17,95 €.


Photo Credits: (1ff) Book Covers, (8) Helmut Gotschy, (9) Elke Rogge (Hölderlin Express), (10) SonDeSeu, (11) Damian Clarke (Pressgang) (from website/author/publishers); (7) Biermösl Blosn (by Walkin' Tom).


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