FolkWorld #70 11/2019

CD Rezensionen

Adas "Nornir"
Galileo, 2017

www.adasmusic.de

Wenn eine Musikgruppe stilistisch nicht eingeordnet werden will, erfindet sie gern neue, nur auf sie zutreffende Kategorisierungen und macht es sich in einer eigenen Nische bequem. Bei den drei Sängerinnen der Gruppe Adas ist dies die neu geschaffene Schublade Elfenfolk. Die CD “Nornir”, das dritte Album des Trios polstert sich auf einem moosgrün leuchtenden Bett aus Wald- und Wiesenfolklore zwischen keltischer Tradition, mittelalterlich inspirierter Bardenmusik, nordischer Mythenpflege und etwas Tolkinpop. Die drei Elfenstimmchen zwitschern zehn Lieder, die sich bis auf den Bonustrack, dem norddeutschen Volkslied “Dat du min Leivsten büst” kaum voneinander unterscheiden. In diesem letzten Titel zeigen Adas jedoch, dass sie musikalisch durchaus ansprechend sein können. Geige und Harfe harmonieren hier bestens und auch der Gesang der drei Damen verlässt die bis dahin recht aufgesetzt wirkende Feenromantik. Vielleicht überzeugten sie ja eher, wenn sie mehr auf Folklore, als auf Fantasy setzen würden.
© Karsten Rube


Aziza Brahim "Sahari"
Glitterbeat, 2019

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www.azizabrahim.com

Aziza Brahim[59] ist eine Sahrawis. Das heißt, sie ist eigentlich eine Frau aus der Westsahara. Es gibt genügend Menschen, die Wissen nicht, dass das ein Land ist. Und viele Sahrawis haben noch nie einen Fuß auf ihre Heimaterde gesetzt. Aziza Brahim wuchs in einem Flüchtlingscamp in Algerien auf. 1976 zogen sich die Spanier, die diese Region der Westsahara verwalteten zurück und das Land wurde zwischen Mauretanien und Marokko aufgeteilt. Viele Sahrawis flüchteten daraufhin. Das Volk lebt seit vierzig Jahren im Exil. Aziza Brahim lebt heute in Barcelona, doch die Lieder ihres Volkes bleiben ihr. Mit Tablatrommeln, elektronischen Elementen und ihrer energischen Stimme erzählt sie von den Träumen und Lebensumständen der Menschen in den Lagern. Ein starkes Album voller Sehnsucht nach einer Heimat, die den meisten Mitgliedern ihres Volkes verschlossen bleibt.
© Karsten Rube


Dominic Eglis Plurism "Azania in Mind"
Unit Records, 2018

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Www.dominicegli.ch

Das dritte Album des Schlagzeugers und seiner agilen Mitstreiter in der Band Plurism, widmet sich erneut dem Universum des afrikanischen Jazz. Das Wort “Azania” stammt aus der südafrikanischen Befreiungsbewegung und bedeutet etwa so viel, wie “Schwarzes Land”. Zu den ausdrucksstarken Kompositionen des Ensembles gesellt sich die Stimme der südafrikanische Sängerin Siya Makuzeni, die den komplexen Grooves Songcharakter verleiht. Die individuellen musikalischen Stimmen der Künstler vereinigen sich auf diesem brillanten Jazzalbum zu einem stimmigen gemeinschaftlichen Aufruf nach kultureller Freiheit und uneingeschränkter Menschenwürde.
© Karsten Rube


Ronja Maltzahn "Beautiful Mess"
Create Music, 2019

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www.ronja-maltzahn.de

Da kann ja eine was! Ronja Maltzahn aus Münster bereist die Welt und bringt Lieder mit. Wo andere Tagebuch schreiben, schreibt sie Songbooks. Und irgendwann müssen die an die Luft. Die transglobalen Lieder der jungen Münsteranerin erschienen nun auf ihrer Debüt-CD “Beautiful Mess”. Zwölf Lieder hat sie ausgewählt. Folkig, weltmusikalisch orientiert, leicht kammermusikalisch mit einem Hang zum Deutschpop. Eigentlich ist sie Solomusikerin: Gitarre, Cello, Klavier. Doch allein ist sie nie. Immer finden sich Musiker um sie herum ein und so ist auch diese Platte mit einer ganzen Blase von Musikern ausgestattet, die um sie herum schweben. Ronja mag Seifenblasen, besagt ein Artikel über sie. Deshalb müssen im Studio immer welche herumfliegen. Ob die Blasen neue Ideen freisetzen, wenn sie platzen, verrät sie nicht. Ronja singt mit Herz, häufig mit Sehnsucht. Als Vielreisende gehört das dazu. Mehrsprachig sowieso. Die Texte, solide Poesie, intoniert sie auf Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und denkt darüber nach, auch was auf Arabisch zu singen. Leider habe ich keinen Babelfisch im Ohr und das Booklet ist in Handschrift, einer ausgewiesen ausgeschriebenen Handschrift. Und so bleibt mir nur, ihre wunderbaren Lieder mit einem neidischen “Angeberin” zu genießen. Erst später, nach dem Zuhören, entdecke ich, dass Ronja freundlicherweise ihre Website mit der Übersetzung aus der Handschrift ins Lesbare ausgestattet hat und zudem jeden Songtext zwischen jeder ihr zugänglichen Sprache wandeln lassen kann. Das nenn ich mal einen Service.
© Karsten Rube


Kata y Co "Bossa und no’was"
Herzog Records, 2019

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www.hy-and.com/...

Die russische Seele neigt zur Melancholie, die brasilianische ebenfalls. Die Sehnsucht ist in beiden Kulturen eine enge Vertraute. Vielleicht gelingt deshalb der Sprung von Katharina Mai aus der Metallurgiehochburg Kamenski-Ural im Süden des Uralgebirges in die temporeduzierte Tropenträgheit Brasiliens. Die klassisch ausgebildete Sängerin hat sich das brasilianische Portugiesisch angeeignet sowie das argentinische Spanisch und sich der swingenden Melancholie der Bossa Nova genauso hingebungsvoll ausgeliefert, wie dem Tango Argentino. Das Album “Bossa und no’was” ist die Veröffentlichung von neun brasilianischen und argentischen Kompositionen und zweier Adaptionen klassischer Stücke. Mehrere Kompositionen von Antonio Carlos Jobim finden Einzug ins Repertoire, ebenso ein Werk von Astor Piazzolla. Kata y Co, als Quartett mit der Sängerin, so wie einem Cello, einem Piano und einem Bass, interpretieren die Musik leicht und gefühlvoll, mit ein wenig Herzschmerz und viel Gelassenheit. Das Zusammenspiel von Gesang, Cello und Klavier erinnert etwas an das Morelenbaumquarett, das Anfang des neuen Jahrhunderts, damals mit einem Jobim-Sohn an der Geige und Ryuichi Sakamoto am Klavier, Jobims Klassiker neu auflegte. Zugegeben, so schön sich Katharina Mai auch in die brasilianische Seele hineinversetzt, der Originalmelancholie von Paula und Jacques Morelenbaum wird sich wohl kaum einer ebenbürtig zeigen können. Aber das Herz schwingt mit in den Liedern, die sich auf dem Album von Kata y Co finden. Etwas überzogen kommt dann ihre klassische Ausbildung zum Tragen, wenn sie mit dem Titel “When I am Laid in Earth” dem Hörer tragikverliebt mit Henry Purcell kommt. Hier findet die CD ihr überraschendes Ende.
© Karsten Rube


El Muro Tango "Nostàlgico"
Galileo, 2018

www.elmurotango.com

El Muro Tango nennt sich die argentinisch-norwegische Band um den argentinischen Pianistin Juan Pablo De Lucca und den norwegischen Geiger Karl Espegard. Die Musik auf ihrem Album, “Nostàlgico” bringt alle Gefühle auf, die dieser Musikstil zu bieten hat. Trauer, Verzweiflung, nicht zu bändigende Liebe und vor allem Sehnsucht. Das Bandoneon, wichtigstes Ausdrucksmittel des argentinischen Tangos, wird von der Norwegerin Åsbjørg Ryeng meisterlich in Szene gesetzt. Ergänzt wird dieses kompromisslos leidenschaftliche Album durch den Sänger Juan Villareal.
© Karsten Rube


Olcay Bayir "RÜYA - Dreams from Anatolia"
ARC Music, 2019

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www.olcaybayir.com

Dass die Kultur das Wesen des Menschen bestimmt und nicht die Nationalität oder die Religion (auch wenn diese einen mittelbaren Einfluss besitzen), gehört zu den wichtigen Erkenntnissen, die Olcay Bayir mit sich trägt. In Anatolien geboren, lernte sie früh, die kulturelle Identität zu behalten, auch wenn die Heimaterde verloren ging. Mittlerweile lebt Olcay Bayir im kosmopolitischen London. Ihre eigene kulturelle Identität trifft dort auf die weltoffenen Ohren der Londoner Musikszene. “Rüya”, das zweite Album Bayirs wird bestimmt von ihrer seidigen Stimme, ihren traumhaften Texten, die von Hoffnung auf Liebe und Frieden erfüllt sind. Die Kompositionen stammen zum Teil von ihr. Manche von zeitgenössischen Autoren. Alle basieren auf kurdischen und türkischen Soundstrukturen, die von den Produzenten-Team, Al MacSween und Giuliano Modarelli, zu einer gelungenen Melanche aus anatolischer Folklore und Worldjazz geführt wurden. Olcay Bayirs Album “Rüya” lädt dazu ein, Träume zu teilen.
© Karsten Rube


Rea Som "Arte Calma"
Unit Records, 2017

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www.reasom.ch

Rea Hunziker verliebte sich 2007 in Brasilien. Die studierte Musikerin richtete ihre künstlerische Laufbahn danach neu aus und fixierte sich auf brasilianische Musik. Ihre Vorbilder, die Stimmen von Elis Regina und Maria Rita im Blick, tauchte sie in die brasilianische Mentalität ein. “Arte Calma” lebt vom Rhythmus der Bossa sowie der feinen Sentimentalität und der Wärme des brasilianischen Lebensgefühls. Die weiche Stimme Rea Hunzikers und die dezente Begleitung ihrer Band versprühen Freiheit und Leichtigkeit. Ein wunderbares Wohlfühlalbum ist der Schweizerin da gelungen und man wünscht ihr, dass ihr diese ansteckende Leichtigkeit nicht ebenso verloren geht, wie ihrem Vorbild Maria Rita.
© Karsten Rube


Schné Ensemble "Steppenwolf"
Cross The Border Records, 2019

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www.schne-ensemble.de

Wenn es dem Kritiker ernsthaft Kopfschmerzen bereitet, die Musik eines Ensembles einzuordnen, hat das Ensemble schon mal alles richtig gemacht. Die Musik, die er hört, wird zunächst solitär und verwechslungsfrei. Die CD “Steppenwolf” des Schné Ensembles ist so ein Fall, in dem sich jeder Titel einzeln dem Ohr und dem Hirn des Hörers nähern will und die gesamte Produktion zu einer persönlichen Hörerfahrung reift. Hier, auf diesem musikalisch vielseitigen Album, nimmt man Anteil am Gefühlsleben der Sängerin Hendrike Krügener, die im Ensemble auf den Namen Schné hört. Dabei sind nicht alle Texte auf dem Album von ihr, sondern stammen unter anderen von der jüdischen Dichterin Mascha Kalenko, Rainer Maria Rilke, Kurt Tucholsky und, wie der CD-Titel erahnen lässt, Hermann Hesse. Es geht in den Liedern ebenso um Freude, wie um Einsamkeit, Liebe und deren Fehlen. Hendrike Krügener dominiert in den Liedern mit klarer und liebenswürdiger Stimme. Die musikalische Ummantelung ist dezent und dennoch mit großer Stimmigkeit auf die Sängerin ausgerichtet. Neben den allesamt hervorragenden Musikern sei die Akkordeonbegleitung von Mariska Nijhof zu erwähnen, die immer wieder die Sängerin vokal unterstützt. “Steppenwolf” ist ein Album, mit dem man eine Weile auf wundervolle Weise die Zeit vergessen kann.
© Karsten Rube


Sigi Finkel & Monika Stadler feat. Djakali Kone "Flower in the Desert"
Galileo, 2019

www.sigifinkel.com

Die Kombination von Harfe und Saxophon ist wie die Geschmackskomposition Süß-Sauer. Eigentlich gegensätzlich im Charakter erweisen sich die Verschiedenheiten harmonischer als erwartet. Das Saxophon Sigi Finkels ist eher im Jazz angesiedelt. Die Harfe von Monika Stadler stammt aus dem klassisch symphonischen Bereich und besitzt einen Hang zur keltischen Folklore. “Flower in the Desert”, das aktuelle Album des Duos wird vom Koraspieler Djakali Kone ergänzt. Der Musiker stammt aus Burkina Faso und lebt mittlerweile in Österreich. Die afrikanische Kürbisharfe, die er spielt, ist eines der klangvollsten Saiteninstrumente der Welt. Die Kompositionen für diese CD stammen alle von Finkel und Stadler. Djakali fügt einen Song aus seiner Feder hinzu. Ruhe und Ausgeglichenheit vermitteln vor allem das Spiel der beiden Harfen, während das Saxophon klanglich etwas jazzige Bewegung ins Konzept bringt. “Flower in the Desert” ist ein träumerisch, verspieltes Album, dessen Musik man sich gern hingibt.
© Karsten Rube


Triakel "Händelster I Nord"
Triakel Records, 2019

www.triakel.de

Emma Härdelin hatte schon immer ein gutes Gespür für freundlich vorgetragene Mordgeschichten. Ob als Sängerin von Garmana oder beim ihrem Trio Triakel. Die sechste CD von Triakel “Händelster I Nord” greift ein paar reale Kriminalgeschichten aus dem Norden Schwedens auf, die sie aus alten Geschichten, Archiven und Zeitungsausschnitten herausgefiltert hat. Allesamt stammen sie aus dem späten 19. Jahrhundert und werden im ausführlichen Booklet mit alten Fotos dokumentiert. Das stampfende Harmonium von Janne Strömstedt und die den folkigen Linien folgende Violine von Kjell-Erik Eriksen lassen die Stimmung zwischen fröhlichem Schunkeln zur Gewalttat und den düsteren Gedanken an Mord hin und her wandern.
© Karsten Rube


Union Drake "Golden Days"
Eigenverlag, 2016

Www.unionduke.com

"Es ist nur Country-Musik und Sie werden es sowieso nicht mögen". So singen die fünf Countryfolker aus Toronto auf ihrem dritten Album “Golden Days”. Das ist eine etwas unkonventionelle Art der Werbung, aber letztlich eine Liebeserklärung an die Countrymusik, der man verfallen sein kann, auch wenn die Popkultur nur den Kopf schüttelt, wenn das Banjo ausgepackt wird. Die fünf langjährigen Freunde singen auf dem Album fast ausschließlich Liebeslieder. Nicht immer klingen sie auf den ersten Blick so, doch, wenn man sich ein wenig länger mit der Musik der Gruppe beschäftigt, weiß man warum sie sich so offensichtlich optimistisch durch die Countrymusik artikulieren. Sie macht Spaß und kann mit Lebensfreude infizieren. Da ist dann zwar der Countryjodler nicht gänzlich ironiefrei aber stimmig eingesetzt. Auf diesem Album geht nicht ein Song schief. Alle besitzen wunderschöne Harmonien, sind mal ausgelassen, mal ein bisschen sentimental und immer Songs zum Hinhören und Mitschwingen.
© Karsten Rube


Urna & Kroke "Ser"
Eigenverlag, 2018

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www.urna.com
www.kroke.com.pl

Zwei musikalische Schwergewichte haben sich für das Album “Ser” zusammengefunden. Zum einen die aus der Inneren Mongolei stammende Sängerin Urna, zum anderen die polnische Weltmusikband Kroke. Wer sich das Cover der bereits neunten CD der heute in Berlin lebenden Künstlerin anschaut, glaubt zunächst ein Wellenmuster zu erkennen. Wer genauer hinsieht, erkennt, dass dieses Muster aus Pferden besteht. Das Grasland der Inneren Mongolei wird lyrisch gern mit einem Meer aus Gras verglichen. Der Wind vermag Wellen in die hohen Wiesen zu bringen und die vielen Hügel wirken wie eine Dünenlandschaft im Grasmeer. Urna singt auf dem Album “Ser” (Erwachen)von Weite, von Pferden, von Identität, Familie und Kindheit. Ihre Stimme nimmt mühelos die Stufen von Tief bis extrem Hoch und symbolisiert dabei mit einer sich steigernden Klanglinie selbst den Sonnenaufgang. Mit den erfahrenen Weltmusikern von Kroke findet sie eine geniale Unterstützung ihrer stimmlichen und lyrischen Kunstfertigkeit. Akkordeon, Flöte, Bass und Geige sind nicht die traditionellen Instrumente der Inneren Mongolei, fördern jedoch eine hervorragende Harmonie zwischen der osteuropäischen Folklore und den traditionellen Gesängen des Fernen Ostens zutage.
© Karsten Rube


Vardan Hovanissian & Emre Gültekin "Karin"
MuziekPublique, 2018

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facebook.com/...

Kaum überwindbar scheinen noch nach über einhundert Jahren die hassbedingten Schluchten zwischen Armenien und der Türkei. Der Völkermord, den die Türkei als durch kriegsbedingte Probleme ausgelöstes Massensterben gesehen haben will, hat die Region am Kaukasus wie kaum ein anderes Ereignis menschlich entzweit. Versöhnung gelingt bis heute nicht im Großen. Selbst auf privater Ebene sind Verbindungen selten und von großem Widerstand umweht. Um so bemerkenswerter ist es, dass sich zwei Musiker aus beiden Völkern nun zusammen fanden und ein gemeinsames kultur- und menschenverbindendes Projekt auf den Weg brachten. Der armenische Musiker Vardan Hovanissian spielt das Nationalinstrument der Armenier, die Duduk. Es ist ein Holzblasinstrument mit einem extrem großen Doppelrohrblatt. Der Klang ist einzigartig und immer wieder zu erkennen. Emre Gültekin ist Türke und spielt die Langhalslaute Saz, die wiederum in der Türkei ein nationales Symbol darstellt. Die vielfältigen Einflüsse der Kulturen der Kaukasusregion leben in den Liedern der beiden Musiker auf. Kompositionen aus dem Iran, Georgien, Armenien, der Türkei und Kurdistan finden sich auf diesem berührenden Album.
© Karsten Rube


Vesselsky/Kühn "Wia Waun"
Donauwalzer Records, 2019

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www.küve.com

Das Waldviertel im Nordwesten Niederösterreichs besitzt einen Dialekt, dem man nicht uneingeschränkt folgen kann, der aber eine recht musische Phonetik besitzt. Das Duo Vesselsky/Kühn nimmt sich der Sprache der Region an und verbindet sie mit Englisch. Das scheint auf dem ersten Blick beinahe ungehörig, doch ist jede Kombination in der Kunst einen Versuch wert, ausprobiert zu werden. Hier gelingt es zwei völlig unterschiedliche Sprachen harmonisch in Gesang und Musikalität zu verbinden. Die beiden Stimmen, kraftvolle Weiblichkeit bei Imrie Vesselsky und rauhe Kantigkeit bei Wolfgang Kühn, wirken in ihrer Gegensätzlichkeit sehr anziehend. Dazu sorgt ein klassisch inspiriertes Klavier und gut gesetzte Perkussion, Gitarre und Bass für eine Atmosphäre, die sich einer selbstverordneten Melancholie unterordnet. Gewagt und gewinnend.
Artist Video P.S.: Bevor sich Vesselsky/Kühn in einen kurzen Winterschlaf begeben, möchten sie sich noch einmal ganz herzlich mit einem Video zu ihrem "Winterliad" bei allen bedanken, die sie 2019 begleitet und unterstützt haben. »Danke an alle, die unser wemake-it-Projekt unterstützt haben, die unsere CDs gekauft haben, die unsere Konzerte besucht haben, die uns veranstaltet haben, uns rezensiert haben ...«
© Karsten Rube


Vildà "Vildaluodda"
Nordic Notes, 2019

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facebook.com/...

Hoch oben im Norden, wo die Sami die Rentiere hüten, wuchs Hildá Länsman auf. Schon als junges Mädchen lernte sie von ihrer Mutter, der samischen Kulturaktivistin Ulla Pirttijärvi den Gesang ihres Volkes, den Yoik. Auf der Sibelius-Akademie in Helsinki traf sie mit der Akkordeonistin Viivi Maria Saarenkylä zusammen. Das Akkordeon zählt längst zu den Volksinstrumenten Finnlands. Was lag also näher, als die beiden traditionellen Kulturformen zusammenzubringen. Als Duo Vildá reisen die beiden Frauen nun über die Festivals und haben mit “Vildáluodda” eine CD produziert, die Yoik, Tango, Klassik und Folklore auf ungewöhnliche, aber äußerst harmonische Weise zusammenführt. Vildá gelingt es schamanischen Mystizismus in eine moderne Form zu gießen und damit Folklore und Medititation zu verbinden.
© Karsten Rube


Vinorosso "Geboren in die Berg"
Eigenverlag, 2018

Artist Video

www.vinorossoband.com

Alpine Reggaeklänge durchziehen die Südtiroler Berge. Vinorosso heißt die Band, die für diese musikalisch exotische Mischung und das Album “Geboren in die Berg” verantwortlich sind. Die 12 Songs der CD poltern weitgehend tanzbar über eine dreiviertel Stunde und fördern die Lust auf Tanz und Frohsinn. Gut gemischt und mit Laune eingespielt kann man der CD guten Gewissens lauschen. Textlich versuchen Vinorosso zwar ein paar Problemkinder zu erziehen, doch das geht unter der Partysause und dank des Dialekts weitgehend am Hörer vorbei.
© Karsten Rube


Violons Barbares "Wolf’s Cry"
Broken Silence, 2018

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www.violonsbarbares.com

Der Wolf ist rastlos, streicht grenzüberschreitend herum und findet seine Heimat ausschließlich im Rudel. Die drei Musiker der multinationalen Gruppe Violons Barbares folgen diesem grenzenlosen Herumstreichen auf ihrem aktuellen Album “Wolf’s Cry”. Frankreich, Bulgarien und die Mongolei sind die Herkunftsländer der Musiker. Da liegt eine Menge Raum dazwischen, den es zu durchmessen gilt. Auf dem Album finden sich fiebrige westliche Perkussion, Balkanbeats und Gipsyrhythmen, sowie die Gesangstechnik der Mongolischen Steppe wieder. Das Album erscheint wie eine Art erweiterte Seidenstraßenmusik, die einen Hauch von Psychodelic in sich trägt. Mitreißend, leicht melancholisch und die Weite der euraischen Landmasse musikalisch ermessend.
© Karsten Rube


Yinon Muallem "Back Home"
Galileo Music, 2019

Artist Video

Wie kommt es, dass der Mensch des Abendlandes heute den Blick in den Nahen Osten wendet und das Gefühl hat, dort nur Hoffnungslosigkeit zu sehen? Wie sieht der Mensch des Orients seine eigene Situation? Sind Krieg, Flucht und religiöse Konflikte und Fanatismus tatsächlich die bestehenden Grundelemente des Orients der Gegenwart? Oder nehmen wir sie nur so wahr, weil wir nichts anderes sehen wollen? Kulturelle Vielfalt, familiäre Werte, Solidarität sind Begriffe, die dort ebenfalls existieren und die unser Weltbild von dieser Region nur stören würden, wenn wir sie mit dem Nahen Osten verbinden würden. Yinon Muallem ist Kind irakischer Eltern, lebte aber lange Zeit in Israel, später in der Türkei. Er studierte die Musik des Nahen Ostens. Sein Blick auf die Kultur seiner Region ist differenzierter als der der westeuropäischen Medien. Er sieht die Details, die Innenräume der Häuser, die Marktplätze und Hinterhöfe, die Gärten. Er hört die Klänge der verschiedenen Völker, die sich dort treffen. Das Instrument seines Vaters, ein altes Oud inspirierte ihn, in der Türkei zu lernen. Schließlich ging er doch wieder nach Israel, um seine Ideen und Inspirationen von seinem Leben im Nahen Osten musikalisch umzusetzen. Herausgekommen ist das Album “Back Home”.
Yinon Muallem zaubert aus seinem Oud sehnsuchtsvolle Melodien hervor. Im Wechselspiel mit den perlenden Klavierklängen von Orel Oshrat beginnen sich die Brückenschläge zwischen Oriental und Jazz zu nähern. Die zauberhafte Stimme der Sängerin Sivan Oshrats ist das Bindeglied zwischen den Kulturen. Das wird in mehreren Songs deutlich und besonders in der schönen und eigenwilligen Interpretation des Lou Reed Klassikers “Perfect Day”.
Das Album ist eine optimistische, musikalische Reise und zugleich eine Liebeserklärung an seine Heimat, eine Heimat, die sich nicht mit Grenzzäunen einengen lässt. Das gleiche gilt für seine Musik. Muallem verbindet die traditionelle Struktur alter jüdischer und osmanischer Prägung perfekt mit den Jazzelementen. Er zeigt, wie harmonisch kulturelle Eigenheiten miteinander agieren. “Back Home” offenbart musikalisch das Bild, das nicht nur für den Künstler Yinon Muallem die ganze Region prägen könnte.
© Karsten Rube


Zeme "Visuma Vizosa Tumsa"
Lauska/CPL-Musik, 2019

www.zemeband.com

Unter dem Titel “Visuma vizošā tumsa” erscheint das erste Album des lettischen Duos Zeme. Der Titel soll so viel bedeuten, wie “Die sichtbare Dunkelheit des Universums” verspricht also einerseits Rätselhaftes, wie Unbekanntes, anderseits auch Verbindungen zwischen Gegensätzlichkeiten, im Titel Licht und Dunkel. In der Musik Elektronik und Folklore. Zeme besteht aus dem DJ Monsta und der Meisterin des Koklespiels Laima Jansone. Die Kokle gehört zur Instrumentenfamilie der Kastenzither, ähnelt im Klang also der Harfe. Die Verbindung Harfe - Elektronik kennen wir bereits aus der überaus lebendigen Schaffensphase Andreas Vollenweiders. Bei Zeme fühle ich mich aufs Angenehmste daran erinnert. Die Lieder der beiden verbinden auf harmonisch spielerische Weise die Folklore Lettlands mit der elektronischen Klangvielfalt und erzeugen so ein traumhaftes Kaleidoskop wechselnder Bilder. Mit fünfunddreißig Minuten Laufzeit leider viel zu kurz geraten.
© Karsten Rube


Belonoga "Trough The Eyes of the earth"
NarRator Records, 2019

facebook.com/...

Gergana Dimitrova gehört zu den wunderbaren Stimmen des bulgarischen Frauenchores “Le Mystère des Voix Bulgares”. Unter ihrem Solokünstlernamen Belonoga veröffentlichte sie nun eine CD, die sich mit sehr unterschiedlichen Kulturen befasst und der es doch gelingt, diese zu verbinden. “Trough The Eyes of the Earth” heißt das ungewöhnliche Werk. Neben der bulgarischen Folklore, die das Herz des Albums ist, bringt sie ihre Reiseerfahrungen mit ins Programm und schöpft aus den Eindrücken, die sie in den Gesängen der Pygmäen und der Aborignes fand. Die gemeinsame Grundlage, die die drei Kulturen verbindet, ist die Stimme. Über diese gelingt es Belonoga, die Brücke zwischen den Welten zu schlagen und einen eigenen musikalischen Klangkosmos zu erschaffen. Hervorragend untermalt wird er von einer jazzigen Trompete, einer sanften Hang, diversen dezent eingesetzten elektronischen Klangkörpern sowie traditionellen Blasinstrumenten, wie Duduk, Ocarina und der mazedonischen Kaval.
© Karsten Rube


Groupa "Kind of Folk Vol.2 - Norway"
All Ice Records, 2019

www.groupa.se

Vor wenigen Monaten veröffentlichte das schwedische Folkmusiktrio Groupa ihr Album “Kind of Folk Vol.1 - Schweden”. Darin widmeten sie sich den traditionellen Liedern, die in dem skandinavischen Land Festen und Veranstaltungen zugeordnet werden. Nun erschien mit “Kind of Folk Vol.2” die Fortsetzung. Diese tummelt sich im reichhaltigen musikalischen Impressionsfundus Norwegens. Das Album wirkt insgesamt wesentlich experimenteller, als der Vorgänger, spielt mit Harmonien und Eindrücken, versucht verschiedene visuelle Empfindungen mit Tönen und Geräuschen zu verknüpfen. Und tatsächlich fühlt man sich versetzt in die reichhaltige Natur Norwegens, meint die Wasserfälle von den hohen Fjordbergen rauschen zu hören, spürt die Winde, die unvermittelt über das klare Wasser fegen. Die Stille zwischen den einzelnen Tönen der Flöte suggeriert die Ruhe, die man an vielen Orten des Landes erfährt. Das Surren der Mücken, findet sich vor allem im Spiel der Geige, das Läuten der Weidetiere wieder. Doch auch die Betriebsamkeit, die einen in Teilen Norwegens überraschen entdeckt man in kurzen Passagen. So in “Tram Tu”, das eigentlich dem Berufsverkehr Oslos gewidmet ist, das aber ebenso den Einfall hunderter Kreuzfahrtschifftouristen in einem kleinen Dorf am Ende eines engen Fjords darstellen könnte. Groupa bedient sich traditioneller Lieder und greift auch auf Kompositionen von Edvard Grieg zurück, verfremdet diese allerdings bis zu einer leisen Ahnung des Originals. Eine Fülle von Bilder strömen von dieser klangtechnisch außergewöhnlich inszenierten CD auf den Geist des Hörers ein. Das Album erschließt sich erst, wenn man ihm Zeit gibt und sich diese Zeit auch selbst bewusst gönnt. Dann ist es jedoch eine kulturelle Bereicherung, eine Reise und eine erstaunliche Horizonterweiterung.
© Karsten Rube


Frollein Smilla "Freak Cabaret"
T3 Records, 2019

Artist Video

www.frolleinsmilla.com

Bläserlastig, mehrstimmig harmonisch, voller Grooves und Nachdenklichkeit, diesen Eindruck entsteht, wenn man das Album “Freak Cabaret” der achtköpfigen Band Follein Smilla hört. Der Kapelle gelingt es scheinbar mühelos, den Hörer mit einer stilistischen Bandbreite in musikalischer Ausgereiftheit zu verblüffen und zu faszinieren. Deutsch, englisch und spanisch gesungene Songs finden sich auf dem abwechslungsreichen Album, manchmal dreist, manchmal schwerelos, taumelnd, verliebt, immer kraftvoll und geprägt von Leuten die ernsthaft Spaß haben wollen.
© Karsten Rube



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