FolkWorld #64: CD Rezensionen
FolkWorld #64 11/2017

CD & DVD Rezensionen

Kimmo Pohjonen "Sensitive Skin"
Octopus, 2015

Artist Video

www.kimmopohjonen.com

"Sensitive skin" - empfindliche Haut. Was erwarten wir? Was erwartet uns? Das Plattencover ist in dunkelblauem Hintergrund gehalten - die Farbe von Kimmos Akkordeon. Die Front des Covers zeigt ein schreiendes nacktes Neugeborenes, das auch im Coverinneren wiederzufinden ist. Die Rückseite zeigt den nackten Rücken des Künstlers. Er hat das Akkordeon vor sich "bis zum Anschlag geöffnet", so dass man die Haut des geöffneten Balks gut erkennen kann. Hier haben wir also 4 empfindliche Häute: im Namen, auf dem Neugeborenen, auf Kimmos Rücken und die Zwischenhäute des Akkordeonbalks. Das schreiende Kind wird wohl die empfindlichste Haut haben, während Kimmos Rücken wahrscheinlich schon etwas abgehärteter ist. Die Haut des Akkordeons tritt nur so stark hervor, wenn man, so wie Kimmo es tut, das Instrument an seine Grenzen spielt. Sonst sind diese allerdings durch Metallkappen und das Holz des Instrumentes geschützt. Die Musik spiegelt alle Elemente wider: Das Ungeschützte, welchem man mit höchster Vorsicht begegnen sollte, finden wir in den ruhigeren, langsameren, leisen Passagen. Das Empfindliche, das aber durch Stahlkappen und starke Verkleidung geschützt wird, ist in den rockig intensiven Liedern wiederzuerkennen. In diesen spielen Instrumente und Gesang zusammen. Der Gesang ist sowohl modern als auch teilweise traditionell anmutend. Auch das wechselseitige Spiel hoher, zarter und tiefer, starker Stimmen spiegelt den Kontrast zwischen Stärke und Schutz, sowie Schwäche und Schutzbedürfnis wider. Den ungeschützten, aber abgehärteten Rücken erkenne ich im Klang des Akkordeons wieder, das fast ausschließlich ohne Elektrifizierung auskommt. Die Klangstärke des Instrumentes kommt nur aus den Armen des Komponisten. Auch die Streicher des Kronos Quartettes dürfen ohne elektrische Anpassungen oder Verzerrungen zum avantgardistischen Klangbild beitragen. Stärke und Schutzbedürfnis können auch in der Kombination von traditionellen Instrumenten, wie dem Akkordeon, Streichern und nicht elektrifiziertem Gesang und den Elektrifizierungen, die der Komponist mit Gesang und Synthesizer vornimmt, erkannt werden.
Die 9 Titel der Platte ergeben ein Klangspektakel mit viel Kraft und Energie. Rhythmen, die maschinell anmuten, werden von langen Klangteppichen abgelöst und lassen einen fast schon schweben. Ich fühle mich ein bisschen an die Filme von David Bowie erinnert, in denen auch Moderne und Fantasie (hier stellvertreten für Tradition) in (Alb)Traumwelten entführen. Kimmo Pojonen ist ein finnischer Akkordeonavantgardist, der auf bisher 9 Alben oft mit elektrischer Modifizierung der mitwirkenden Instrumente experimentiert. Er hat einen folkmusikalischen Hintergrund und arbeitet oft zusammen mit u.A. dem Kronos Quartett, Pat Mastelotto und dem Gitarristen Trey Gunn der Band Kind Crimson. Neben dem Kronos Quartett können wir auf der vorliegenden Platte auch Tuomas Norvio, Samuli Kosminen, Timo Kämäräinen, Sami Kuoppamäki, Inka und Saana Pohjonen, Arto Järvelä, Ismo Alanko, Lauri Porra, Paul Malmström, Jukka Eskola, James Spectrum, Tomi Leppänen, Ville Riippa, Ilpo Laspas und Joona Ruusula hören. Sämtliche Titel sind von Kimmo Pohjonen komponiert.
© Luise Rube


Mari Kalkun & Runorun "Tii ilo"
Rockadillo Records/Zen Master Records Oy/Nordic Notes, 2015

Artist Video

www.marikalkun.com

TANZEN UND CHILLEN! Mit diesen Worten lassen sich die unterschiedlichen Richtungen der Musik recht gut zusammenfassen. Die Platte heißt "tii ilo", was mit "Die Schönheit der Straße" übersetzt wird. Roadmusic? Vielleicht. Die Musik mit der Mari Kalkun (Kantele, Gesang) hier gearbeitet hat, ist, bis auf wenige Ausnahmen, traditionell estnisch. Sowohl die Melodien als auch die Texte. Ästhetisch wird was sie und ihre Band Runorun (Maija Kauhanen - Kantele, Gesang, Nathan Riki Thomson - Kontrabass, Tatu Viitala - Perkussion) nachher aus den traditionellen Melodien gemacht haben. Wir hören eine spannende Mischung aus traditionellen Instrumenten (Kantele) und Melodien mit eher moderneren Instrumenten (Kontrabass, Schlagzeug) sowie Klangexperimenten und Improvisationen. Die Musiker arbeiten viel mit Geräuschen und Rhythmen. Die CD beginnt zum Beispiel mit dem natürlichen Geräusch einer Person, die über einen Kiesweg geht. Der Puls dieses Gehens wird in die Musik aufgenommen und bestimmt so den Puls der Musik. Das stetige Experimentieren mit Rhythmen und Geräuschen verschiedener Art lässt in dieser im Grunde traditionellen Musik auch Elemente aus dem Motown Jazz und Minimal-House und vielleicht sogar Sprechgesang erahnen. Alle diese Elemente werden jedoch mit den Instrumenten erschaffen, welche, soweit ich hören kann, völlig auf Elektrifizierungen verzichten. Die Platte bietet eine herrliche Abwechslung von ruhigen, träumerischen Titeln über antreibende aber trotzdem entspannte Stücke bis hin zu wilden Tanzrhythmen, bei denen das Stillsitzen ernsthaft schwerfällt. Anders ausgedrückt hören wir Rhythmen, die voll ins Blut gehen oder aber zum Chillen anregen. Gesang und Kantele sind verständlicherweise die herausstechenden Musikwerkzeuge, da diese die Hauptinstrumente der Künstlerin sind.
Für die kunstvolle Gestaltung des Booklets und Covers steht Tatjana Bergelt, welche die Kollagen - inspiriert durch die Texte, die Musik und die Zusammenarbeit mit Mari Kalkun & Runorun - geschaffen hat. Die Kollagen bestehen aus modernen Schriftzügen, Leinwandmalereien, Photos. Auch in dieser Gestaltung finden wir traditionelle und moderne Elemente. Das schwarz-weiße Bild auf der Rückseite des Booklets stellt zwei ältere Damen dar, die mit der Hand sticken. Stickereien finden wir auch im Booklet. Hier allerdings von Maschine gestickt. Im Farbspiel finden wir hauptsächlich Pastelltöne, die allerdings in sehr natürlichen Nuancen gehalten sind. Das Werk aus Musik und Cover ist also ein Gesamtkunstwerk, das sich zwischen Tradition/Natur und Moderne bewegt.
© Luise Rube


Franui "Tanz! (Franz)"
Col Legno Music Gmbh, 2016

www.franui.at

Mit der Klassik kann man ja ganz unterschiedlich umgehen. Das osttiroler Ensemble Franui rückt den Kompositionen von Schubert, Mozart und Bartók mit alpenländischem Übermut zu Leibe. Die Musiker stammen fast alle aus einer Gemeinde in Tirol, in dessen Nähe sich die Almwiese Franui befindet. Das idyllische Fleckchen unterhalb der hohen Gipfel bietet eine gute Sicht und sorgt für genügend Freiraum. Dies hat sich unmittelbar auf das Verständnis der Musiker ausgewirkt, die dem häufig sehr eingezwängten Umgang mit klassischen Kompositionen einen Frischluftaufenhalt verpassten. Schuberts Lieder, Bartóks Tänze waren zu deren Zeit Ausdruck von gegenwärtigem Lebensempfinden. Das hauptsächlich auf Blasinstrumente und Gesang spezialisierte Ensemble gibt den Liedern der Klassiker diese Bodenständigkeit und Volksverbundenheit zurück. Da dreht schon mal Don Giovanni ein Menuett im Dirndl und das Totengräberlied Schuberts bekommt ein Tempo aufgedrückt, dass man dazu Polka tanzt. Frech und schräg, humorvoll und trotzdem mit Respekt begegnen die Kinder der Alm den musikalischen Größen der Zeit unter dem Hause Habsburg.
© Karsten Rube


Nifty's "N°3"
Listenclosely.at, 2015

niftys.klingt.org

Dass der Klezmer eine Neigung besitzt, sich jedem musikalischen Stil an den Hals zu werfen, ist nichts Neues. Interessant daran zu sehen ist, wie beinahe jede Verbindung auf originelle Weise funktioniert. Beim Hören der Musik der österreichischen Band Nifty’s allerdings bin ich mir nicht ganz so sicher, ob die Idee der Genremischung hier besonders gelungen oder perfekt daneben gegangen ist. Musik ist aber glücklicherweise immer auch eine Sache des Hörens und Betrachtens und da gibt es mehr als eine Seite. Was im ersten Gedankengang als recht verkrachten Gitarren- und Verzerrerorgasmus betrachtet werden kann, ist in anderer Leute Ohren und Gedanken eine perfekte Verbindung neuerer Weltmusik mit den Mitteln des Ausdruckpunks. Und tatsächlich muss man sich ein bisschen hineinhören in das dritte Album, um zu erkennen, das die Band mehr macht, als nur Krach. Im Opener “Drei” wird noch lässig geschrammelt und ein paar Klezmeranklänge zitiert. Im zweiten Titel “/4-75-76” gibts dann besagten Krach, der für mich musikalisch schwer zu verorten ist. Aber schon mit dem dritten Song “Uaschi” bemerkt man den Spielwitz der Musiker. Hier wird es geradezu heiter und sommerlich, wenn der Rhythmus leicht ins Reggaefach wechselt. “Freylekhs #6” spielt wieder deutlich mit dem Klezmer. Das Arrangement des Songs lässt sich lässig auf die Rhythmik des östlichen Mittelmeeres ein. Der Abschluss hat da wieder electropunkigen Sirenencharakter. Nifty’s Album “N°3” ist ein Album, das ziemlich weit aus jeder Schublade heraushängen dürfte.
© Karsten Rube


Basta "Freizeichen"
TRC, 2016

www.basta-online.de

Die fünf Jungs der Kölner A-Capella-Gruppe Basta machen seit 16 Jahren witzige und trotzdem gehaltvolle Musikcomedy. Ihre achte CD “Freizeichen” serviert 15 gut gelaunte Lieder über zweifelhafte Urlaubsfreuden, falsche Jobentscheidungen, schlimme Musik in den Gehörgängen und das Älterwerden. Die musikalisch ausgefeilten Arrangements sind brillant mit perfektem Versmaß verputzt. Das Album ist voller kleiner Hinterhältigkeiten zum Mitsingen, denn, wie sie selbst im Song “Gute-Laune-Musik” betonen, pfeift man nicht die großen Kompositionen mit, sondern die eingängigen Melodien. Spätestens beim zweiten Mal hören, wünscht man sich, dass dem Album eine Karaokeversion beiliegen würde. Großartig gesungen, glänzend getextet. Ein pointierter Schelmenstreich mit Niveau.
© Karsten Rube


Erodoto Project "Stories"
Cultural Bridges, 2017

www.erodotoproject.com

Bob Salmieris musikalische Spuren kann man über eine Linie von Tunesien über Sizilien bis nach Rom verfolgen. Die tunesischen Vorfahren des Künstlers spielen dabei ebenso eine Rolle, wie sein feines Gespür für mediterrane Atmosphäre. Neben dem eigenwilligen Project Milagro Acoustico, bei dem er sich in die Geschichte Siziliens hineinversetzte, ist das Erodoto Project ein weiterer musikalischer Meilenstein des 1968 in Rom geborenen Multiinstrumentalisten und Schriftstellers. Als Grundlinie des Albums “Stories - Lands, Men and Gods” ist der mediterraner Jazz zu nennen. Die Geschichten, die er in ausgefeilten Arrangements erzählt, handeln von den Menschen am Mittelmeer, von dem Bild des Meeres, das bis heute maßgeblich von den Sagen der Griechen gezeichnet wird, aber auch von der Jahrtausende alten Geschichte von Flucht und Neuanfang. Bob Salmieri bleibt bei dieser CD seinem Lieblingsinstrument, dem Saxophon treu. Neben Alessandro de Angelis, der meisterhaft die Tasteninstrumente bedient, gehören Giampaolo Scatozza an den Drums und Ermanno Dodaro am Bass zum Project. Hervorzuheben ist auch der Trompeter Gabriel Oscar Rosati, der ebenso als Gast mitwirkt wie Carlo Colombo als Perkussionist. Der Eastern Mediterran Jazz des Erodoto Projects bringt die Stimmung des östlichen Mittelmeers ambitioniert mit dem europäischen Jazz zusammen.
© Karsten Rube


Fee Badenius "Feederleicht"
Reimkultur, 2017

www.feebadenius.de

“Feederleicht” ist eines dieser Wortspiele, mit denen Fee Badenius liebevoll jongliert. Ihr aktuelles Album ist wie bereits ihre Vorgänger beim ersten Hören seicht, wie das ablaufende Wasser der Nordsee. Aber auch hier trügt die freundliche, verletzlich wirkende Stimme. Denn mit Witz und kleinen Kinnhaken verziert sie ihre Lieder. Textlich sitzt ihr Versmaß. Die Verspieltheit ihrer Reime und die sanfte Melodieführung lassen einen beseelt zuhören, mitsummen und dann verblüfft aufhorchen. Stellt sie da tatsächlich den Vegetariern die “Fleischesslust” entgegen? Und lässt sie das Flüchtlingsleid an deutschen Behörden vergeblich anbranden? Ja. Tut sie und das mit wunderbar stimmig formulierten Argumenten, die nicht politisch agitieren, sondern alltägliche Fragen stellen. Alltäglich ist auch ihr schön formuliertes Liebeslied “Nest”, in dem sie sich auf enge Gemeinsamkeiten freut. Allerhand Unzulänglichkeiten nimmt sie aufs Korn, ohne sich über diese zu erheben. Kein brachialer Kabarettabend erwartet des Höher, sondern liebevolle Beobachtungen über zu viel Essen, über auseinandergelebte Beziehungen und immer wieder über Liebe. Sehr zärtlich besungen wird von ihr auch die Beziehung von Mutter zu Kind. “Mein Kind” ist einer der stillen, zärtlichen Momente des Albums, das bei allen kleinen Bissigkeiten, die sie textlich versiert platziert, respektvoll mit Mensch und Leben umgeht.
© Karsten Rube


Fleuves "Fleuves"
Coop Breizh, 2017

www.fleuves-music.com

Mit Klarinette, Bass und elektronischer Programmierung mischt die bretonische Band Fleuves seit einiger Zeit die Festivals und Fest Noz Veranstaltungen ihrer Heimat auf. Nun haben sie die dort bekannten Melodien auf ihr erstens Album gebracht. Zusätzlich zur eigenen Instrumentierung bereichern Trompete, Perkussion und Gesang die Musik des Trios. Die Songs beginnen meist traditionell, wobei Fleuves statt die Bombarde die Klarinette bevorzugt. Rhythmisch verfremdet werden die Melodien mit Electrobeats. Das Album der Band Fleuves überzeugt durch die gelungene Kombination aus traditionellen Melodien und jazzigem Spieltrieb.
© Karsten Rube


Intakas "Uliokim, Braliukai"
Kuku, 2013

www.sutaras.lt/...

Das litauische Volkslied findet die Hauptbeachtung des Gesangsensembles Intakas. Das Trio, das sich bereits 1989 zusammengefunden hat besingt in eindrücklichen Weisen die Arbeit und das Leben im historischen Litauen. Die Einflüsse des großrussischen Reiches, die über Jahrhunderte das Leben des Ostseevolkes bestimmten, sind in der Musik der Volkslieder deutlich zu spüren. Lange getragene Melodien, schwermütig und abwechslungsarm stellen die Musiker auf dem Album “Uliokim, Braliukai” vor. Musikethnologisch interessant, aber auf eine Länge von einer Stunde nicht sehr unterhaltsam.
© Karsten Rube


Jenny and the Mexicats "Open Sea (Mar Abierto)"
GMO, 2017

www.jennyandmexicats.com

Jenny Ball machte schon als kleines Kind viel Krach. Seit ihrem siebenten Lebensjahr spielt sie Trompete und Gitarre. Auf einem Trip durch Spanien lernte sie den Bassspieler Icho kennen. Der wiederum kannte den Flamenco-Gitarristen Alfonso Acosta "Pantera” ganz gut. Die drei verstanden sich auf Anhieb. Ergänzt durch den Perkussionisten David González Bernardos aus Madrid begannen sie eine wilde Mischung aus Flamenco, Pop und Mexicali zu kreieren, die in Europa weitgehend unbemerkt, in Mexiko jedoch für eine große Fangemeinde sorgte. Das Album “Mar Abierto”, das 2017 erschien, versucht nun mit seiner spanisch-englischen Zweisprachigkeit und dem aufgeweckten Latino-Party-Sound, den europäischen Kontinent zu erreichen. Das Album hat das Potenzial dazu Sommerpartys in heiße Tanzdampfkessel zu verwandeln. Der gleichmäßige Latinbeat und Jenny Balls Trompete geben dabei den treibenden Rhythmus vor, der den Hörer in dynamische Bewegung versetzt.
© Karsten Rube


Maija Kauhanen "Raivopyöra"
Nordic Notes, 2017

Article: Multitasking Her Way Between Tradition and Modern Rhythms

www.maijakauhanen.com

In Skandinavien wird mit traditionellem Musikgut viel selbstverständlicher umgegangen, als in Deutschland. Die Sibelius Akademie in Finnland besitzt einen international stark beachteten Studiengang Folklore. Einige der besten Musikerinnen sind dort ausgebildet worden oder lehren mittlerweile selbst. Maija Kauhanen ist Absolventin der Sibelius Akademie. Ihr Ausdrucksmittel ist zu allererst die Kantele. Doch auch mit ihrer eindrucksvollen Stimme faszinierte sie bereits in der Band Okra Playground und bei Mari Kalkun aus Estland. “Raivopyöra” ist ihr erstes Soloalbum. Auf ihrer Saarijärvi-Kantele kombiniert sie verschiedene Spielstile. Mit ihrer Stimme variiert sie traditionelle Gesangstechniken. Die sieben Stücke des Albums wirken sphärisch, manchmal mystisch. Maija Kauhanen nimmt sich viel Zeit, die musikalischen Themen der einzelnen Songs herauszuarbeiten. Vom kunstvollen Stil wechselt sie selten aber effektvoll in den Popmodus. Ein bezauberndes Album.
© Karsten Rube


Mahsa Vahdat "A Cappella - The Sun will rise"
Kirkelig Kulturverksted, 2016

www.mahsavahdat.com

Mahsa Vahdats großartige Stimme als Solokunstwerk aufzunehmen, wäre schon an sich ein Klangerlebnis. Doch auf dem Album "A Cappella - The Sun will rise" wählt sie zwei zusätzliche Komponenten, die ihre Musik unterstützen: Raum und Zeit. Beinahe tausend Jahre alt sind einige der Poeme und Lieder, die sie für das ungewöhnliche Album herausgesucht hat. Einige sind deutlich jünger, aber von eben solcher geschichtsdurchfluteten Größe, wie eine Komposition des Schweden Carl Michael Bellmann aus dem 18 Jahrhundert, die sie unter dem Titel “Elegy For A Beloved One”. Die anderen Lieder stammen aus dem arabischen Raum. Beinahe genauso alt, wie die Lieder, sind manche der Gemäuer, in denen die Künstlerin ihre Lieder aufgenommen hat. Den besonderen Klang, den viele Kirchen und Kathedralen besitzen, wollte sich die Sängerin zu Nutze machen. So sang sie in der St.Claude Kirche von Sigonce in der Provence, in der Kirche St. Maria de Requena in Spanien und der St. Elisabeth Kirche Wroclaw, aber auch im Emanuel Vigeland Museum von Oslo, wo der Hall bis zu 20 Sekunden benötigt, um abzuklingen. An zwei Orten der Alhambra ließ sie ihre Stimme ebenfalls erklingen. Auch ohne Kenntnis der arabischen Sprache ist dieses Album erfüllt von der Poesie des Orients. Eine Poesie, die mit der Stimme Masha Vahdats durch die Luft schwingt.
© Karsten Rube


Marjan Vahdat "Serene Hope"
Kirkelig Kulturverksted, 2017

Im Iran ist es Frauen nicht erlaubt vor Männern zu singen. Das klingt für unsere Ohren seltsam und zeugt nicht gerade von besonders großem kulturellen Verständnis des Regimes in Teheran. Marjan Vahdat zog es deshalb genau wie ihre Schwester Masha in ein Land, das sich in den letzten Jahren intensiv um Künstler aus aller Welt bemüht, die in ihrer Heimat keine Chance auf Öffentlichkeit haben. Norwegens Label Kirkelig Kulturverksted ist Vorreiter dieser kulturellen Offenheit. Auf diesem Label erschien nun auch Marjan Vahdats CD “Serene Hope”. Die reine Stimme der iranischen Sängerin betört den Hörer vom ersten Ton an. Klagend und liebkosend interpretiert sie Liebespoesie aus Persiens Geschichte. Der Dichter Rumi, einer der Klassiker der persischen Dichtung ist für das Album Inspirationsgeber. Seiner Dichtersprache folgten viele arabische Poeten. Marjan Vahdat hat ein paar der schönsten Werke ausgewählt und zusammen mit hervorragenden Musikern aus dem Iran und Norwegen neu interpretiert. “Serene Hope” ist von erlesener Schönheit. Ein orientalisches Märchen aus bezaubernden Klängen.
© Karsten Rube


Napoli Mandolin Orchestra "Mandolin al Cinema"
Felmay, 2016

Wer an Neapel denkt, verbindet damit schnell ein paar klischeebelastete Bilder: dampfender Vesuv, dampfende Pizza, dampfende Mafiosikanonen, dampfender Müll. Warum dereinst der sehnsuchtsgefüllte Satz: “Neapel sehen und sterben” schmachtend gehaucht wurde, erschließt sich erst, wenn man real existierenden Neapolitanismus der Gegenwart beiseite schiebt und sich in die Welt des Films und der Musik rettet. Ein paar der großen italienischen Filmkomponisten, die die Welt neapolitanischer Familiennähe und des Fernwehs, das manchen Regisseur künstlerisch vorantrieb, in Noten packten, werden vom Napoli Mandolin Orchestra auf der CD “Mandolini al Cinema” zitiert. Die Mandoline gilt als eines der neapolitanischten Musikinstrumente. Kein Wunder also, dass man das italienische Kino mit dem Klang der Mandoline zusammenbringt. Das Album verzichtet auf die Mafiaepen. Es beleuchtet auf romantische Weise die großen Tränenförderfilme, wie “Die Legenden vom Ozeanpianisten”, “Cinema Paradiso”, “Il postino”, “Amacord” und “La Vita è bella”. Auch ins Reich des Spaghettiwesterns wagt sich das seit geraumer Zeit in der L’Accademia Mandolinistica Napoletana etablierte Orchestra. Das Album spiegelt einen Teil italienischen Filmmusikschaffens wider, der vor allem auf Namen, wie Ennio Morricone und Nino Rota baut. Es hat musikalisch einen hohen Wiedererkennungswert, wirkt über lange Strecken aber ein bisschen wie nachgesüßt.
© Karsten Rube


Otros Aires "Perfect Tango"
Galileo Music, 2017

Artist Video

www.otrosaires.com

Der Titel des fünften Albums der spanisch-argentinischen Electrotangoformation Otros Aires ist fast schon eine Provokation. “Perfect Tango” ist weiter vom klassischen Tango entfernt, als die Vorgängeralben. Allerdings ist das Album Ausdruck des Dilemmas, in dem der moderne Tango steht. Einerseits will man den Tango modernisiert und zeitgemäß hören, andererseits erwartet man vor allem in Argentinien die Wahrung der großen argentinischen Tangokultur. Bands wie Narcotango, Otros Aires und Bajofondo haben in den letzten Jahren mit Samples und Elektronik viel Modernisierungsarbeit geleistet. Otros Aires, die bereits im Namen frischen Wind suggerieren, machen nun Ernst und vermengen Tango, Electrobeats und Popmusik zu einem musikalischen Eintopf, der nicht jedem gefallen wird, der Tango mag. Viele Eigenkompositionen sind zu hören, sowie eine recht behäbige Version Piazzolas “Libertango”. Das Album ist eher ein Protest gegen die Verwässerung der Kultur mit dem Mittel der Verwässerung. Geschickt sind die Arrangements auf ironische Zitate angelegt. Otros Aires scheinen mit dem Album zeigen zu wollen, wie Tango im 21. Jahrhundert klingen kann und wie der Kommerz diese Musik aushöhlt. Vermutlich wird diese Ironie nicht erkannt und diese Veröffentlichung ein Erfolg.
© Karsten Rube


Startijenn "Parker Tour - Live"
Coop Breizh, 2016

www.startijenn.bzh

Startijenn mischen seit 2007 die keltische Musikszene ihrer bretonischen Heimat auf. Auf zahlreichen Fest-Noz Veranstaltungen waren sie bereits zu erleben. Nach mehreren CD-Veröffentlichungen spielen sie immer häufiger auf den großen Bühnen internationaler Folkfestivals. Aktuell sind sie als Quintett unterwegs. Das Album “Parker Tour - Live” zeigt die fünf Musiker in ihrer ganzen Dynamik. Das Zusammenspiel zwischen den Musikern ist wie ein perfektes Match organisiert. Häufig werden Melodien von einem Musiker vorgegeben, vom nächsten aufgegriffen und weitergetragen. Nach minutenlangem Dudelsacksolo oder Akkordeonspiel finden sich schließlich alle Instrumente zu einem gemeinsamen fulminanten Finale zusammen. Wie bei vielen Live-Platten ist die Atmosphäre des Auftritts gut zu spüren. Doch der unmittelbare Vorortgeschmack fehlt letztlich. Wer Starijenn einmal Live erlebt hat, kennt dieses wunderbar hilflose Gefühl, mit den Tanzschritten nicht hinterher zu kommen.
© Karsten Rube


The Jag Leg Jug Band "Break a leg"
Lake Records, 2017

www.thejakelegjugband.com

Gospel, Ragtime - authentische Musik aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt die britische Kapelle The Jake Leg Jug Band auf ihrem dritten Album “Break a Leg”. Das mitreißende Vintage Projekt der Musiker aus dem Lake District hat bereits auf einigen Jazzfestivals für Aufsehen gesorgt. “Break a Leg” nimmt den Hörer musikalisch mit auf eine kleine Reise entlang des Mississippi während der Zeit der Prohibition. Die Briten haben einen sehr einprägsamen Stil, der den amerikanischen Blues, Gospel und Jazz perfekt imitiert und zu einer gelungen Feelgoodstimmung einlädt. Kurzweilig und überzeugend.
© Karsten Rube


Yasmine Piruz & Kurt Obermair "Alles nur das Keine nicht"
Preiser Records, 2011

www.weltgesang.at

Die ausgebildete Opernsängerin Yasmine Piruz, Tochter einer Österreicherin und eines Iraners ist von Hause aus mehrsprachig aufgewachsen und in verschiedenen Kulturen unterwegs. Es fällt ihr leicht, sich zwischen den Genres zu bewegen. Zusammen mit dem klassischen Gitarristen Kurt Obermair aus Salzburg hat sie ein Album zusammengestellt, auf dem Genres, Kulturen und Sprachen ohne Pardon gewechselt und gemischt werden. “Alles, nur das Keine nicht” versammelt nach Aussage der Künstler, jegliche Musik, die ihnen gefällt. Der Hörer wird unterhalten oder konfrontiert - je nach Sichtweise - mit Liedern aus Südamerika, wie dem Mercedes Sosa Song “Gracias a la vida”, mit italienischer Musik aus Gegenwart und Klassik, Romagesängen, griechischem, spanischen, portugiesischen Songs sowie einem Lied aus Persien. Traditionelles, wechselt mit Klassischem, portugiesischer Fado und mittelalterlicher Bänkelgesang aus Deutschland sind ebenso vertreten, wie türkisches Liedgut und das Zitat eines Songs aus dem Film “Die Kinder des Monsieur Mathieu”. Bunt durcheinander, aber nicht planlos ist dieses Album gestrickt. Das virtuose Gitarrenspiel Obermairs und die brillante Stimme der Sängerin Piruz sind wie selbstverständlich in jeder Kultur zu Hause.
© Karsten Rube


Zaruk "Hagadá"
Timezone, 2016

www.irisazquinezer.com
www.rainerseiferth.de

Der Gitarrist Rainer Seiferth und die Cellistin Iris Sazquinezer kamen nicht ganz zufällig zusammen. Genaugenommen wurden sie verkuppelt. Andrés Vázquez, spanischer Soundmixer, spielte Seiferth bei Tonaufnahmen die Musik der Cellistin vor, genauso, wie er ihr anderen Ortes die Musik des Gitarristen präsentierte. Er muss die musikalischen Schwingungen gespürt haben, die die beiden Künstler verband, obwohl sie sich noch nicht kannten. Die Zusammenführung erbrachte das Album “Hagadá”, welches sie als Künstlerduo Zaruk aufnahmen. Die Musik wird aus der Seele der sephardischen Kultur gespeist. Die Juden Spaniens lebten lange in relativer Eintracht mit den maurischen Besatzern der Iberischen Halbinsel. Später, als das Christentum Spanien zurückeroberte, wurden sie vertrieben und siedelten sich vor allem in Nordafrika und im Nahen Osten, aber auch in einigen Gegenden Mitteleuropas an. Die sephardische Kultur und deren Musik unterscheidet sich von der anderer jüdischer Hauptzweige, wie den Aschkenasim und Mizrahim. Es sind eindeutig iberische Spuren, die sich in der sephardischen Musik bis zum heutigen Tage finden. Die beiden Musiker sind diesen Spuren gefolgt, wandelten auf den Wegen, die die Melodien gingen. Seiferth virtuoses Akustikgitarrenspiel geht dabei eine wunderbare Partnerschaft mit der klassisch geprägten Celloausbildung Iris Sazquinezer ein. Leise, nachdenklich, manchmal verträumt, aber ohne Wehmut interpretieren Zaruk auf dem rundum gelungenen Album “Hagadá” sephardischen Lieder aus dem Fluss der Jahrhunderte.
© Karsten Rube


Zé Boiadé "Ze Qué Casá"
La Roda, 2016

facebook.com/...

Die Band Zé Boiadé versucht sich an einer recht eigenwilligen Mischung. Choro aus dem Nordosten Brasiliens, Samba aus dem Süden des Landes und Chansons aus Frankreich werden auf ihrer CD "Ze Qué Casá" zusammengeführt. Ein kurzweiliges sommerlich klingendes Album kommt dabei zustande. Die brasilianischen Melodien werden oft mit französischem Gesang begleitet. Claire Luzi hat eine angenehme Stimme, die sie meist in tieferenTonlagen zum Klingen bringt. Leider versucht sie gelegentlich auch Höhen, die ihr nicht liegen. Aber das ist das einzige Manko der CD. Die Lieder besitzen eine entspannende Gelassenheit, sind nicht überschwänglich, aber warmherzig. Die unterschwellige Melancholie, die auch der brasilianischen Musik eigen ist, kommt dezent zum Tragen und sorgt dafür, dass die Melodien auf diesem Album nicht beliebig klingen. Die vier Stammmusiker der Band sind hervorragende Multiinstrumentalisten. Mandoline und siebensaitige Gitarre fechten an verschiedenen Stellen kleine virtuose Duelle aus. "Ze Qué Casá" ist wie ein warmer Sommerregen, der belebend ist, ohne abzukühlen.
© Karsten Rube


John Garner "Writing Letters"
ISSA Records, 2017

English CD Review

www.johngarner.de

Hört man ohne weitere Information das Album “Writing Letters” und bekommt mit, dass die Musik von John Garner stammt, ist man gedanklich schnell beim kräftigen amerikanischen Mainstreamrock. Bon Jovi fällt mir ein, als er noch kraftvoll über die Bühne hastete. Aber John Garner ist gar nicht aus den U.S.A.. Er ist auch kein Er, sondern ein Trio aus Deutschland. Chris Sauer, Lisa Seifert und Stefan Krause haben sich unter dem irreführenden Namen John Garner 2016 zusammengefunden und bringen mit kräftigen Rocktönen und energiegeladenen Popballaden musikalischen Frühling ins Land. Die Stimme Stefan Krauses, der als Frontmann längere Zeit allein unter dem Namen tourte, wird wunderbar ergänzt, durch Lisa Seiferts Gesang. Mit Chris Sauer bringen die gut arrangierte Dreistimmigkeit zum Hören. “Writing Letters” versucht, im Briefstil Leben und Lieben, Leidenschaft und Lotterleben zu feiern. Sie spielen, wie sie das Leben erleben, sie singen, wie sie es fühlen. Nicht, als glatte, erfundene Soapopera, sondern mit der kantigen Herzlichkeit der Arbeiterklasse. Wuchtig, gradlinig und ohne Schmus.
© Karsten Rube


Karen Kassulat "Reise nach Korsika"
Karenmusik, 2017

www.karenmusik.de

Die schwäbische Diplom-Geografin Karen Kassulat hat in ihrem Leben schon an verschiedenen Orten Station gemacht, beruflich, wie geografisch. Sie hat sich umweltpolitisch engagiert, moderiert eine Radiosendung und hat als Musikproduzentin gearbeitet. Irgendwo auf dieser unsteten Reise durchs Leben landete sie auf Korsika und verliebte sich in Land und Leute. Da sie schon von Klein auf selber musizierte, versuchte sie, ihre neue Leidenschaft für Korsika in Lieder zu packen. Das Ergebnis ist die sentimentale Reiseerinnerung “Reise nach Korsika”, die sie zusammen mit den polyphonen Stimmen der korsischen Gesangsstars I Muvrini aufgenommen hat. Die Musik auf der CD “Reise nach Korsika” wird getragen vom Wunsch nach Gelassenheit, nach Stille und der Erhabenheit der ungebändigten Insellandschaft. Karen Kassulat singt von der Castagniccha, wünscht sich ans Meer, spricht über die Seele und über Träume. Sie nimmt den Hörer musikalisch mit auf den Weg zu ihrem Traumziel Korsika, mit all den Zwischenstationen, die über ihr, dem Hörer textlich offen gelegtes, Seelenleben führt. Ein paar poetischen Momente werden von Viktoria Brams vorgetragen, einer Schauspielerin und Synchronsprecherin, die ihre dunkle aber warme Stimme häufig Fanny Ardant, Julie Andrews und Catherine Deneuve lieh. “Reise nach Korsika” ist ein sanftes Sehnsuchtsalbum mit traumhaften Momenten.
© Karsten Rube


Ride Lonesome "Once I had a future"
Timezone, 2017

Artist Video

ride-lonesome.blogspot.de

Folk und alternative Countrymusic sind schon seit Jahren die Leidenschaften von Thomas Piesbergen. Auch wenn er beim Punk begann, die Melancholie des Roadsongs lag ihm immer im Blut. Jetzt hat er mit seiner aktuellen Band “Ride Lonesome” ein Album produziert, das in dieser leicht resignierten Stimmung, zwischen Hoffnung und Aussichtslosigkeit badet, die der Musik dieser Zeit so eigen war. Die 16 Songs könnten genauso gut in den 70er Jahren geschrieben worden sein, als man mit einem bedauernden Kopfschütteln feststellen musste, dass Woodstock bereits Geschichte ist. Erstaunlich ist an diesem Album, das es nicht altbacken wirkt, sondern in seiner musikalischen Vergangenheitssehnsucht textlich stark in der Gegenwart verhaftet ist. Der Band aus St. Pauli ist ein atmosphärisch stimmiges Album gelungen, bei dem die Kategorie “Neo-Folk” einen ganz eigene Klangnote bekommt.
© Karsten Rube


MultiDelta "L'Arborescence des Sources"
Appel Rekords, 2015

facebook.com/...

Die beiden Protagonisten des polyphonen Folktanzes Aurèlien Claranbaux und Boris Trouplin haben nach zehn Jahren intensiven Konzertierens genügend Material zusammengetragen, um mit "L'Arborescence des Sources" ein fulminates Folkalbum zu produzieren. Als Duo MultiDelta spielen sie mit traditioneller Musik und Instrumenten, wie Akkordeon und Dudelsack zum Tanz auf. Im Studio mischen sie jedoch auch elektronisches Equipment unter die Melodien und paaren die Polkas, Mazurkas, Bourrée und Walzer mit Steeldrum und Kalimba. Ungewöhnliche, aber stimmige Folklore mit einem Hauch von Welt.
© Karsten Rube


Ambrogio Sparagna "Stories 1986 - 2016"
Finisterre, 2016

www.ambrogiosparagna.it

Eine über vierzig Jahre währende Musikerkarriere hat es irgendwann einmal verdient, mittels einer Anthologie zusammengefasst zu werden. Ambrogio Sparagna gehört zu den einflussreichsten Künstlern der italienischen Volksmusik. Sein Doppelalbum “Stories 1986 - 2016” blickt auf die vielfältigen Stationen des musikalischen Schaffens dieses Musikers, Komponisten und Essayisten zurück. Viele bekannte Werke sind auf den beiden CD’s zu hören, aber auch einige bisher unveröffentlichte Stücke finden sich auf “Strories”. Viele sind mit diversen von ihm geleiteten Orchestern eingespielt worden, wie zum Beispiel dem Orchester de la Notte della Taranta und dem l’Orchestra di Giofà. Die Zusammenstellung hält insgesamt etwas über zwei Stunden Musikmaterial Ambrogio Sparagnas bereit, manche Aufnahmen davon sind live, die meisten jedoch Studioproduktionen. Ein guter, wenn auch etwas abwechslungsarmer Rückblick auf das Schaffen des Künstlers.
© Karsten Rube


Baraka "Gole Sangam"
Sketis Music, 2017

Die persische Lyrik verzaubert seit über tausend Jahren Menschen, nicht nur in arabischen Ländern. Immer wieder widmen sich Künstler aus dem Abendland der Weisen und Lieder aus dem Orient. Das Ethno-Jazz-Projekt Baraka aus Riga hat sich bereits mit mehreren Werken der Musik des arabischen Raumes zugewandt. Das aktuelle Album “Golem Sangam” fokussiert sich auf die Lieder persischer Frauen. Die Frontfrau Barakas, Devika Evsikova holte sich für diese Produktion zwei Gastsängerinnen als Verstärkung. Zum einen die tadschikische Sängerin Zarina Tadjibaeva, sowie Iran Riahi aus dem Iran. Baraka gelingt es erneut mühelos die Fäden aus traditionellen arabischen Melodien mit denen aus europäischer Moderne von Folk, Jazz und Elektropop zu einem farbenfrohen Teppich zu knüpfen.
© Karsten Rube


Bye Bye "Eine dir unbekannte Band"
Broken Silence, 2016

www.byebyemusik.de

Das Leipziger Duo ByeBye legt mit “Eine dir unbekannte Band” ein exzellentes Album neuer Songwriterkultur auf. Unterhaltsam, musikalisch auf der Höhe der Zeit und geistreich genug, um aus dem Meer der sich gleichenden deutschsprachigen Poppoeten herauszuragen. Oliver Haas und Tim Ludwig gehen unbefangen mit Gitarre, Gesang und Liedermachen um, schreiben ihre Songs aus dem Bauch heraus, ohne den Geist zu vernachlässigen. Ihre Texte schweben zwischen der “Einfachheit der Worte”, engagiertem Aufrütteln (“Komm schon”) und poetischer Liebeserklärung (“Erzähl mir mehr”). Schönes freundliches deutsch gesungenes Zeitporträt zweier junger Musiker, das sich erfrischenderweise nicht im Metaphernkrampf windet.
© Karsten Rube


Elemotho "Beautiful World"
ARC Music, 2017

www.elemotho.com

Gaalelekwe Richardo Mosimane ist unter dem Namen Elemotho der derzeit erfolgreichste Musiker aus Namibia. Sein Album “Beautiful World”, das er auf dem Weltmusik-Label ARC aufgenommen hat, ist eine rhythmisch mitreißendes Afropop-Sammlung, in der er in Englisch und in mehreren afrikanischen Dialekten Songs über das afrikanische Selbstverständnis in der Gegenwart singt. Die politischen Unzulänglichkeiten, die sich Namibia seit seiner Unabhängigkeit geleistet hat, thematisiert Elemotho auf seinem Album ebenso deutlich, wie die Allgegenwart des Todes. Musikalisch greift er auf traditionelle Songs zurück, die er modern instrumentiert und interpretiert. Eigene Kompositionen sind ebenfalls zu hören. Harmonischer Chorgesang trifft hierbei auf im Afrostyle gespielter E-Gitrarre. Elemothos Lieder sprühen dabei vor positiver Energie, die er mit den Hörern zu teilen versucht. Zahlreiche Musiker der afrikanischen Weltmusikszene, sowie aus Deutschland, Spanien und Israel haben den Künstler bei diesem hervorragenden Projekt begleitet.
© Karsten Rube


Indian Air "Rare Moments"
ATS Records, 2017

Artist Video

www.sitarmusic.at

Die Sitar, das klassische Instrument der indischen Folklore ruht sich trotz zahlreicher Impulse aus der Pop- und Weltmusik in Europa immer noch auf dem Status des Exoten aus. Dass man mit der Sitar auch im Jazz und im intelligenten Umgang mit Popmusik Klangwunder vollbringen kann, haben zuletzt Projekte wie Simon Emmersons Imagined Village oder das Pulsartrio aus Weimar bewiesen. Der Österreicher Klaus Falschlunger hat sich bereits vor über 20 Jahren der indischen Sitar gewidmet. Nach dem folkloristischen Studium in Indien lotet er nun zurück in seiner Heimat neue Wege für das Instrument aus. Das Album “Rare Moments”, das er mit Clemens Rotner am Bass und dem Perkussionisten Tobias Steinberger unter dem Bandnamen Indian Air aufgenommen hat, stellt die Sitar in den Fokus zwischen Weltmusik und Jazz. Beginnend mit Elementen des traditionellen Spiels, wechselt das Klangspektrum immer mehr ins Abendländische. Gastmusiker Bob Mintzer bildet mit seinem pointiert eingesetzten Sopransaxophon einen brillanten Gegenpol zum verspielten, nachhalligen Klang der Sitar. Der Albumtitel “Rare Moments” hält genau, was er verspricht - rare Momente außergewöhnlichen Musikerlebens.
© Karsten Rube


Jim Keaveny "Put it together"
Eigenverlag, 2017

www.jimkeaveny.com

Jim Keavenys Album “Put it together” klingt nach dem Staub auf den Landstraßen Richtung Texas. Inspiration für dieses Album holte sich der Sänger und Gitarrist auf dem Weg von San Diego/Kalifornien nach Savannah/South Dakota. Das waren etwa 2300 Meilen, die er nicht locker im offenen Cabriolet runterrollerte, sondern mit dem Fahrrad. Von Staub kann er also ein Lied singen und tut es auch. Den amerikanischen Süden macht Keaveny mit Mariachibläsern und Slidegitarre hörbar. Seine Songs schrieb er im Stile eines Troubadours der alten Dylanschule. Er stellt Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Suche nach Liebe und der Hoffnung, am Ende einer langen Straße einen Ort zu finden, in dem er eine Heimat finden kann. Das Album ist kurzweilig, manchmal bissig und frei von patriotischem Pathos.
© Karsten Rube



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